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Ich möchte Euch etwas aus meinem echten Leben erzählen...

Ich möchte Euch etwas aus meinem echten Leben erzählen...

„Wo suchen Sie Inspiration?“, wurde ich schon öfter gefragt. Ich habe mich lange gewundert, was die Leute mit der Inspiration meinen.

In den letzten Jahren stand ich fast jeden Morgen in meinem Atelier vor der Staffelei. Ich schaltete ein Hörbuch an und verschwand für viele Stunden in einer bunten Welt. Wie schön es doch wäre, wenn meine Arbeit nur daraus bestehen würde! Wenn ich jeden Arbeitstag, von morgens bis abends gestalten, malen und Bücher hören könnte! Ich habe für mich eine Formel der Kreativität gefunden. Diese habe ich bereits in meiner Kindheit entdeckt…

Als ich 4 Jahre alt war, lebten wir mit meinen Eltern in einer Militärgarnison im Fernen Osten von Russland, auf dem Halbinsel Kamtschatka. Direkt unter einem Vulkan. Karge Gegend, lange Winter, Erdbeben, ein einsames Haus für 30 Militärfamilien am Rande des Waldes.

Man ließ mich oft zu Hause allein. Ich hatte keine Freunde und aus erzieherischen Maßnahmen hat meine Mutter für mehrere Jahre den Fernseher aus der Wohnung entfernt. Ich musste mich irgendwie beschäftigen. Lesen konnte ich damals noch nicht so gut und die einzige Begleitung meiner Einsamkeit in Abwesenheit der Eltern, war ein Plattenspieler. Ich kannte alle Schallplatten auswendig. Ich habe sie bis zum Verschleiß durchgehört. An manchen Stellen blieb die Nadel auf der Spielplatte hängen und ich müsste sie etwas vorsetzen.

Ich habe oft Angst gehabt. Ich hatte Angst, dass es ein starkes Erdbeben geben kann und ich mich irgendwie selber retten muss. Ich hatte Angst, dass Mutter nicht zurückkommt. Erschreckend und seltsam war das, was mich umgab. Und ich floh in die Zauberwelt von Alice in Wunderland und malte. Ich hörte diese schöne Geschichte wieder und wieder, ich zeichnete und verschwand in dem bunten Paralleluniversum. Alice war auch alleine in dem verwirrenden, seltsamen Labyrinth. Sie suchte den Ausweg, sie musste sich selbst finden zwischen allen diesen bizarren Wesen. Und sie hat immer wieder den Ausweg finden können. Sie bekam Klarheit, sie wurde größer. „Schluss mit der Verwirrung!“, schrie Alice, das Märchen platzte und sie befand sich wieder zu Hause. Da, wo sie alles kannte. Um schon bald wieder in das Kaninchenloch zu fallen…    

Ich glaube, dass Kreativität immer den Ursprung in der Kindheit hat. Genau dort kannst Du deine Inspiration finden. Du kommst in den Flow, wenn Du anfängst zu horchen. Dann kannst Du diese leise, vergessene Stimme entdecken. Und diese Stimme hilft Dir Deine echte Sprache zu finden…   

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