"Around Midnight", 100x80cm

von Ekaterina Moré

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Originalgemälde/ Unikat
Technik: Acryl auf Leinwand
Format: 100x80cm
Auf Keilrahmen gespannt, fertig zum Aufhängen

 

Around midnight – verso mezzanotte
Wieder einmal kurz vor Mitternacht: 
Hier stand sie nun – wie so oft allein, aber trotzdem meist mit einem glücklichen Lächeln, zufrieden, dass sie sich entschieden hatte, ihren Job aufzugeben und ihre kleine Bar „Vino dall'Italia“ zu eröffnen. 
Sie liebte ihre italienischen Weine – und sie hatte sich angewöhnt, ihre nächtlichen Gäste nach ihren geliebten Weinsorten zu klassifizieren.

Da gab es die unverbesserlichen, konventionellen „Chianti-Typen“, die unkomplizierten, leichtfüßigen „Frascati-Trinker“, die eben aus dem Italien-Urlaub zurückgekehrten „Valpolicella-Freunde“, die kühlen, eleganten „Soave-Liebhaber“ und noch einige mehr - wenige Weinkenner, viele Weintrinker.

Wieder einmal kurz vor Mitternacht: Hier stand er nun im Dauerregen nach einem Tag voller Stress und Ärger. Das warme Licht der Wein-Bar malte ein zartschimmerndes Muster auf den regennassen Asphalt des Bürgersteigs, das seine eiligen Schritte plötzlich gebremst hatte. 

„Barolo!“ 
Plötzlich wusste er, wie dieser Tag zu retten war – schon beim Eintreten konnte er den schweren, erdigen Geschmack spüren, konnte ahnen, wie die Note von dunkler Schokolade und Rosinen seinem Gaumen schmeichelte. 
„Barolo?“ 
Überrascht nahm sie die gedankenverlorene Bestellung des späten Gastes auf – kein „Weinanfänger“, wie die meisten, die hier oft die Stunden um Mitternacht verbrachten.

Sorgsam schenkte sie ein Glas „Brovia Brea vigna Ca Mia“ ein und hoffte, dass der Connaisseur ihm mehr Aufmerksamkeit schenken würde als ihr.

„Gestresst, deprimiert, abgespannt, teilnahmslos“, so ihre Einschätzung – eher ein flüchtiger „Pinot Grigio-Typ“. . .
Erwartungsvoll ruhten die Augen auf ihr – oder auf dem Glas?! 

Jetzt war das Eintreten einer plötzlichen Ruhe, einer jähen Entspannung beinahe körperlich spürbar.

„Wunderbar, diese Nuance von Kirschen und Rosen!“
Überrascht stellte er fest, dass diese Beschreibung auch auf das zauberhafte Geschöpf passte, das ihm das Glas mit dem ersehnten Nebbiolo-Rebensaft serviert hatte.

„Eine Bardame“ – ein Wesen der Nacht, für ihn bisher keinen weiteren Blick wert.
Kurz vor Mitternacht traf man entweder auf die klassische Animierdame oder auf eine junge, moderne Barkeeperin – aber nicht wie hier auf eine ein Wesen, so fantastisch wie der Barolo selbst. Beides war so eigentlich nur zu entdecken nur auf der Via Maestra im historischen Zentrum von Alba.

„Also desinteressiert – schade eigentlich“, dachte sie, die eigentlich froh hätte sein sollen, kurz vor Mitternacht keine unverschämten Flirtversuche und keine verschämten Ehegeschichten mehr über sich ergehen lassen zu müssen.

„Also Bardame – schade eigentlich“, dachte er, der eigentlich froh hätte sein sollen, kurz vor Mitternacht seinen anstrengenden Tag ungestört, allein und entspannt bei einem ausgezeichneten Glas Wein beenden zu können.

„Aber vielleicht einmal – wer einen solchen Wein trinkt.. . . ,“ dachte sie.
„Aber vielleicht irgendwann – wer solche Weine serviert. . ,“ dachte er.

(Vinifikation: „Ein Barolo braucht, bis er seinen geschmacklichen Höhepunkt erreicht, zehn Jahre und mehr.“)

Er bezahlte und verschwand in die regnerische Nacht – doch hatte sie nicht leise Worte gehört?
„A domani - verso mezzanotte.“

Zeit abzuschließen – trotzdem stand sie weiter hinter der Bar.
So wollte sie nun kurz vor Mitternacht jeden Tag stehen, ein Glas „Ca Mia“ in der Hand, den Blick zur Tür gerichtet:
„I wait for you – always around midnight.“
jimmy
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