"Night Bar Melody", 140x100cm

von Ekaterina Moré

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Originalgemälde/ Unikat 
Technik: Acryl auf Leinwand
Format: 140x100cm
Auf Keilrahmen gespannt, fertig zum Aufhängen

 

Night Bar Melody - Unforgettable
Noch sind alle Barhocker leer.
Marie, die Barkeeperin poliert im schummrigen Licht die Gläser, lässt klirrend Eis in silberne Kübel gleiten und füllt Oliven, Chips und Nüsse in kleine Schälchen.
Bald schon wird sie die Lichter anschalten, nicht mehr lange, und die poppige Leuchtreklame über dem Eingang wird ihre bunten Strahlen über den Asphalt tanzen lassen – „Open“.
Doch noch sind alle Barhocker leer.

Ich genieße die herb-süße Frische meines Cosmopolitan – der erste an diesem Abend und der einzige für die nächsten Stunden.
Statt des Cocktailglases werde ich, sobald die ersten Nachtschwärmer kommen, das Mikrophon in die Hand nehmen. Wie immer beginne ich wahrscheinlich die musikalische Untermalung mit „Welcome to the club“, bis ich mich vier Stunden später mit „My way“ verabschieden kann. Pausen mache ich nur wenige und immer kurz, niemals lange genug, um jemanden Gelegenheit zur Anmache zu geben – einzig meine Stimme ist zu ihrer Animation da. Manchmal sind die Gäste ja kultiviert und angenehm, öfter leider frech und aufdringlich – welche Sorte Mädchen singt schon in einer Bar?!
Aber es ein gutbezahlter Job – „I will survive“. 

Mitten in der Nacht nochmal ins Büro zu müssen – hätte er doch nur die wichtigen Unterlagen nicht dort vergessen.
Tagsüber war ihm die kleine Bar auf seinem Weg noch nie aufgefallen, aber da war sie ja auch verrammelt und dunkel.
Auch jetzt sind noch alle Barhocker leer.

Fast alle – warum sie wohl so alleine dort sitzt?
Hat die Frau den keinen Freundeskreis?
Ist sie aus Nervosität viel zu früh zu einer Verabredung gekommen?
War sie versetzt worden oder gar verlassen und will nun möglichst früh schon beginnen, ihren Kummer zu ertränken?
Ist sie darauf aus, angesprochen zu werden? 
Ist sie zum Flirten gekommen oder ist sie eine, die beweisen will, dass es möglich ist, als Frau ganz alleine in einer Bar am Tresen sitzt?

Egal, nicht sein Problem.
Er muss weiter, es ist spät.

Nun sind die Barhocker alle vergeben.
Die Bar ist jetzt offen – nur das Bürogebäude war schon dunkel und verrammelt gewesen und der nächtliche Ausflug umsonst.
Er kann die einsame Schöne nicht mehr entdecken, sie sitzt nicht mehr am Tresen.
Schon will er weitergehen, als er sie wiedersieht.
Ihre Blicke treffen sich durch das Fenster, jetzt kann er sie auch hören.
Jazzig klingt es, tief, ein wenig rau, nicht mächtig, aber magisch.

Er betritt die Bar schon, als sie sanft die zweite Strophe anstimmt:
„Unforgettable in every way“.
Er verlässt die Bar erst, als sich die samtige Stimme verabschiedet, die warmen Klänge des letzten Songs begleiten ihn auf seinem Heimweg: 
„Please remember“.


Wieder sind alle Barhocker leer.
Marie räumt an der Theke auf, eben hat sie die poppige Leuchtreklame über dem Eingang ihrer bunten, tanzenden Strahlen beraubt. Angenehm ruhiges Dämmerlicht lässt meinen Cosmopolitan in einem warmen Orangeton schimmern.
Diesen Drink noch – dann will ich nach Hause gehen.

Die Straße draußen ist menschenleer, irgendwo im Osten graut über den Dächern der Stadt schon der Morgen – ich werde hier wieder sitzen, wenn die Sonne wieder versunken und die Nacht nicht mehr ganz jung ist.
Ich werde die Nacht wieder mit einem Cosmopolitan beginnen – 
und meinen Auftritt mit „Unforgetable“.
jimmy
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