Wenn Kunst Hoffnung begleitet – mein Frauenbild auf einem italienischen Buchcover

Buch „Un giorno… inaspettatamente“ von Giuseppe Melucci mit dem Frauenbild „Feel Free“ von Ekaterina Moré auf dem Cover

Manchmal erfährt man erst viele Jahre später, was ein Bild bei einem Menschen ausgelöst hat.

Vor kurzem habe ich zwei Exemplare des italienischen Buches Un giorno… inaspettatamente von Dr. Giuseppe Melucci erhalten. Auf dem Cover ist mein Werk „Feel Free“ zu sehen.

Dr. Melucci hatte mich zuvor gefragt, ob er dieses Bild für sein Buchcover verwenden darf. Solche Projekte unterstütze ich sehr gerne – besonders dann, wenn Kunst nicht nur dekorativ eingesetzt wird, sondern eine tiefere inhaltliche Verbindung zum Thema bekommt.

Was mich daran besonders berührt hat, ist die Geschichte, die dahintersteht.

Dr. Melucci war schon Jahre zuvor auf meine Kunst aufmerksam geworden. Damals nicht durch „Feel Free“, sondern durch mein Werk „Feuer–Wasser“ auf einem Fragment der Berliner Mauer.

Das Bild bestand aus zwei tanzenden Frauen. Auf einer Seite eine Frau in kühlen Blautönen – Wasser. Auf der anderen eine Frau in Rot – Feuer.

Mich interessierte bei diesem Werk der Gedanke, dass Gegensätze sich nicht ausschließen müssen.

Feuer und Wasser wirken zunächst unvereinbar. Aber sie können sich auch ergänzen.

Gerade auf einem Fragment der Berliner Mauer war dieser Gedanke für mich besonders wichtig.

Denn eine Mauer steht für Trennung.

Mein Bild erzählte vom Gegenteil.


Ekaterina Moré vor ihrem Kunstwerk „Feuer–Wasser“ auf Fragmenten der Berliner Mauer mit zwei Frauen in Rot und Blau

1. Wenn ein Betrachter etwas erkennt, das man selbst hineingelegt hat

In seinem Brief schrieb mir Dr. Melucci, dass ihn die weibliche Darstellung auf der Berliner Mauer durch ihre Ruhe und Gelassenheit berührt habe.

Sie stand für ihn im Kontrast zur Härte einer Mauer, die Menschen trennt.

Das hat mich wirklich bewegt.

Als Künstlerin arbeitet man aus einem sehr eigenen inneren Empfinden heraus. Man hat eine Vorstellung, eine Stimmung, manchmal auch eine ziemlich klare Botschaft.

Aber sobald das Bild das Atelier verlässt, gehört die Wahrnehmung nicht mehr nur einem selbst.

Jeder sieht etwas anderes.

Und gerade deshalb ist es besonders, wenn jemand Jahre später etwas beschreibt, das sehr nah an dem liegt, was man selbst mit dem Werk ausdrücken wollte.

 

2. „Un giorno… inaspettatamente“

Das Buch von Dr. Giuseppe Melucci trägt den Titel Un giorno… inaspettatamente – ungefähr: „Eines Tages … ganz unerwartet.“

Der Text entstand aus Dr. Meluccis jahrelanger Arbeit mit Frauen in der Brustdiagnostik. Ihn interessierte dabei nicht nur der medizinische Weg von den ersten Untersuchungen über Diagnose und Operation, sondern gerade auch jene emotionale Seite, die im klinischen Alltag oft unsichtbar bleibt.

Un giorno… inaspettatamente erzählt von Angst, Veränderung und davon, wie eine Frau versucht, sich nach einem solchen Einschnitt in einer neuen Wirklichkeit wiederzufinden – körperlich wie psychisch.

Auf der Rückseite beschreibt sie einen Moment vor dem Spiegel. Das eigene Bild scheint ihr plötzlich fremd zu werden. All die Dinge, die vorher noch wichtig waren und unbedingt erledigt werden mussten, verlieren ihre Selbstverständlichkeit.

Ich fand diese Passage sehr berührend.

Vielleicht auch deshalb, weil viele meiner Frauenbilder von einem ähnlichen inneren Spannungsfeld handeln.

Von Stärke, aber nicht nur Stärke.
Von Verletzlichkeit, ohne Schwäche daraus zu machen.
Von Weiblichkeit nicht als Oberfläche, sondern als etwas sehr Innerem.

Für das Cover wurde mein Werk „Feel Free“ ausgewählt.

Und ich musste ein wenig darüber nachdenken, dass auch dieser Titel in diesem Zusammenhang plötzlich anders klingt.

Vielleicht berührt mich dieses Projekt auch deshalb so sehr: Dr. Melucci versucht als Arzt, das sichtbar zu machen, was hinter einer Diagnose leicht verborgen bleibt. Auch mich interessiert in meiner Kunst seit vielen Jahren nicht nur die äußere Erscheinung einer Frau, sondern das, was dahinter liegt – ihre innere Welt, ihre Verletzlichkeit, ihre Kraft, ihre Seele.

 

Künstlerin Ekaterina Moré in ihrem Atelier vor dem Frauenbild „Feel Free“, das als Buchcover verwendet wurde

3. Warum meine Frauenbilder immer wieder in der Medizin auftauchen

Es ist nicht das erste Mal, dass meine Kunst mit medizinischen Themen verbunden wird.

Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. verwendet meine Frauenmotive seit längerer Zeit bei seinen Kongressen als Symbolbilder für Themen der Frauenheilkunde.

Das empfinde ich als sehr passend.

Vielleicht, weil Medizin einerseits sehr sachlich sein muss.

Es geht um Diagnosen, Untersuchungen, Therapien.

Aber gleichzeitig geht es fast immer um einen Menschen, der in diesem Moment eben nicht nur Patient ist.

Gerade in der Frauenmedizin kommen viele sehr persönliche Themen zusammen: Körper, Weiblichkeit, Mutterschaft, Sexualität, Älterwerden, Veränderung, Krankheit.

Ich glaube nicht, dass Kunst all das lösen kann.

Aber ich glaube sehr wohl, dass sie die Atmosphäre verändern kann.

Ein Raum kann kühler oder wärmer wirken. Eine Frau kann sich darin nur als Patientin fühlen – oder weiterhin als ganzer Mensch wahrgenommen werden.

Das ist ein Unterschied. Und vielleicht liegt genau dort eine Aufgabe, die Kunst in medizinischen Räumen übernehmen kann.

Gerade in medizinischen Räumen kann Kunst mehr sein als Dekoration. Mehr über meine Projekte und Gedanken dazu finden Sie unter Kunst für Arztpraxen.


4. Die Frau als Symbol der Seele

Ich male seit vielen Jahren Frauen.

Aber für mich war die Frau nie nur ein schönes Motiv.

Sie steht in meinen Bildern oft für etwas Inneres, für ein Symbol der Seele.

Aber auch für Sinnlichkeit, Lebendigkeit, Selbstbewusstsein, Lebensfreude. Und für die empfindlichen Seiten eines Menschen.

Vielleicht finden meine Werke deshalb gerade in medizinischen Räumen so häufig Resonanz.

Diese Räume sind oft Orte, an denen Menschen nicht besonders stark sein wollen oder können.

Man wartet.

Man hofft.

Man hat vielleicht Angst.

Manchmal reicht schon etwas, das einen für einen Moment an Schönheit, Ruhe oder das eigene Leben außerhalb dieses Raumes erinnert.

Mehr muss ein Bild dort vielleicht gar nicht tun.

➤ Mehr zu dieser Kunststilrichtung erfahren: "Flowismus – mein Kunststil der Verbundenheit"


Wenn ein Bild seinen eigenen Weg nimmt

Ich finde es fast ein wenig erstaunlich, wie sich diese Geschichte entwickelt hat.

Dr. Giuseppe Melucci entdeckt vor Jahren mein Werk auf der Berliner Mauer.

Später wird ein Frauenbild von mir zum Cover eines Buches, das sich mit einer sehr persönlichen Erfahrung von Krankheit und Veränderung beschäftigt.

So etwas kann man als Künstler nicht planen.

Und gerade deshalb bedeutet es mir viel.

Ich danke Dr. Giuseppe Melucci herzlich für sein Vertrauen und Professor Pietro Masafra für den freundlichen Austausch und Unterstützung.

Ich wünsche Un giorno… inaspettatamente, dass es viele Menschen erreicht.

Und für mich bleibt die schöne Erkenntnis, dass ein Bild manchmal viel länger unterwegs ist, als man selbst ahnt.

 

Online Gallery

Be sure to check out my online gallery and discover which motifs appeal to you most!