Die 7 weiblichen Archetypen Aphrodite, Demeter, Hera, Persephone, Artemis, Athene und Hestia verkörpern sehr unterschiedliche Vorstellungen von Weiblichkeit: Sinnlichkeit und Fürsorge, Bindung und Wandel, Freiheit, Weisheit und innere Sammlung.
Mich haben diese Göttinnen nicht nur als mythologische oder psychologische Figuren interessiert. Ich wollte wissen, wie sie als moderne Frauenbilder aussehen könnten. Welche Farbe gehört zu Aphrodite? Welche Haltung zu Athene? Wie lässt sich Demeters Fülle zeigen, ohne Mütterlichkeit auf Selbstaufopferung zu reduzieren? Und wie malt man die Stille Hestias, ohne dass sie zur bloßen Abwesenheit wird?
Aus diesen Fragen entstand meine Serie der sieben Göttinnenbilder. Jedes Gemälde besitzt eine eigene Farbwelt und Symbolsprache. Gemeinsam erzählen die Werke davon, dass Weiblichkeit sich nicht auf eine einzige Rolle, Eigenschaft oder Lebensform festlegen lässt.
In diesem Artikel stelle ich die sieben weiblichen Archetypen, ihre Mythen sowie ihre Licht- und Schattenseiten vor. Vor allem aber zeige ich, wie ich Aphrodite, Demeter, Hera, Persephone, Artemis, Athene und Hestia künstlerisch interpretiert habe.
1. Warum archetypische Bilder uns tief berühren
Lange bevor ich das Wort Archetyp kannte, kannte ich seine Bilder.
Als Kind in Russland las mir meine Großmutter Märchen vor. Darin begegneten mir geheimnisvolle Frauen: weise Hüterinnen, Verführerinnen, Mütter, Königinnen und Kriegerinnen. Manche waren gütig, andere gefährlich. Viele waren beides zugleich.
Gerade diese Widersprüchlichkeit faszinierte mich. Die Frauenfiguren waren nicht nur schön. Sie trugen ein Geheimnis in sich. Hinter einer sanften Geste konnte große Macht liegen, hinter einer strengen Erscheinung Verletzlichkeit. Ich verstand damals noch nicht, warum mir diese Gestalten so vertraut vorkamen. Aber ihre Bilder blieben in mir.
Heute glaube ich, dass meine stilisierten Frauenporträts auch aus dieser frühen Bildwelt hervorgegangen sind. Wenn ich eine Frau male, suche ich nicht nur nach einem schönen Gesicht. Mich interessiert, was hinter diesem Gesicht spürbar wird: Würde, Sehnsucht, Freiheit, Nähe, Sinnlichkeit oder eine Ruhe, die nicht erklärt werden muss.
Archetypische Bilder geben solchen Erfahrungen eine sichtbare Form. Sie schreiben uns nicht vor, wer wir sein sollen. Im besten Fall öffnen sie einen Raum, in dem unterschiedliche Deutungen möglich werden.
2. Was sind weibliche Archetypen?
Der Psychiater C. G. Jung beschrieb Archetypen als wiederkehrende Urbilder und psychische Grundmuster, die sich unter anderem in Mythen, Träumen, Märchen und Kunst zeigen können. Jung stellte jedoch kein festes System aus genau sieben weiblichen Göttinnen auf.
Diese konkrete Verbindung entwickelte später die jungianisch geprägte Psychiaterin Jean Shinoda Bolen. In ihrem Buch Goddesses in Everywoman deutete sie sieben griechische Göttinnen als unterschiedliche Muster weiblicher Erfahrung und Persönlichkeit.
Für mich sind diese Archetypen keine Schubladen und schon gar keine Diagnose. Kein Mensch ist nur Aphrodite, nur Demeter oder nur Artemis. Die Göttinnen sind vielmehr kulturelle Bilder, durch die sich Eigenschaften, Spannungen und Lebensfragen betrachten lassen.
Jede von ihnen besitzt eine helle und eine schwierige Seite. Fürsorge kann wärmen, aber auch einengen. Unabhängigkeit kann befreien, aber in Distanz umschlagen. Sinnlichkeit kann schöpferisch sein, zugleich aber von äußerer Bestätigung abhängig werden. Gerade diese Ambivalenz macht die Figuren für meine Kunst interessant.
Ein Gemälde muss darauf keine eindeutige Antwort geben. Es darf das Widersprüchliche sichtbar nebeneinander bestehen lassen.

3. Wie meine Serie der sieben Göttinnen entstand
Am Anfang standen nicht sieben Illustrationen zu einer psychologischen Theorie. Am Anfang standen sieben Frauen, die jeweils eine eigene Bildwelt verlangten.
Ich wollte die Göttinnen aus der Distanz antiker Darstellungen lösen, ohne ihre überlieferten Symbole zu verlieren. Sie sollten nicht wie Figuren aus einer vergangenen Zeit erscheinen, sondern wie zeitlose Frauen, denen wir heute begegnen könnten. Deshalb tragen sie keine historisch genau rekonstruierten Gewänder. Ihre Gesichter sind stilisiert, ihre Körperhaltungen klar und ihre Umgebung aus Farbe, Naturformen und Symbolen aufgebaut.
Alle sieben Gemälde haben dasselbe Format von 100 × 70 Zentimetern. Dadurch stehen die Figuren einander gleichberechtigt gegenüber. Keine Göttin ist größer oder wichtiger als die andere. Zugleich besitzt jedes Bild eine deutlich eigene Stimmung.
Im Mittelpunkt meines Flowismus steht die Verbundenheit. Linien, Farbflächen, Frauenfiguren, Tiere und Pflanzen erscheinen nicht als voneinander getrennte Elemente, sondern als Teile einer gemeinsamen Bildwelt. Bewegung, Wandel und Lebensfluss sind darin sichtbar, doch sie entstehen aus dieser Verbindung.
So wurde aus sieben einzelnen Porträts eine zusammengehörige Serie – und aus sieben sehr unterschiedlichen Göttinnen ein vielstimmiges Bild von Weiblichkeit.
➤ Mehr dazu: Artikel „Die Femme Fatale: Ein Archetyp in der Kunst"
4. Die 7 weiblichen Archetypen in meiner Kunst

Aphrodite – die Liebende und Schöpferische
Zentrale Themen: Liebe, Sinnlichkeit, Schönheit und Kreativität
Mythos und Symbolik:
Aphrodite ist die griechische Göttin der Liebe und Schönheit. Einer bekannten Überlieferung zufolge entstieg sie dem Schaum des Meeres. Rosen und Tauben gehören zu ihren traditionellen Attributen.
Psychologische Bedeutung:
Aphrodite steht für sinnliche Wahrnehmung, Anziehung und schöpferische Lebendigkeit. Sie verkörpert die Fähigkeit, Schönheit zu erkennen, Nähe zuzulassen und aus einer inneren Begeisterung etwas Neues entstehen zu lassen.
Licht und Schatten:
Ihre Stärke liegt in Lebensfreude, Kreativität und emotionaler Offenheit. Ihre schwierige Seite zeigt sich, wenn der eigene Wert zu sehr von äußerer Schönheit, Begehren oder der Bestätigung anderer abhängig wird.
Mein Kunstwerk:
Meine Aphrodite trägt ein leuchtend rotes Kleid. Die intensive Farbe macht sie unmittelbar präsent, während ihre ruhige Haltung Selbstsicherheit ausstrahlt. Rosen umgeben die Figur, eine weiße Taube fliegt auf ihre geöffnete Hand zu.
Die geschwungenen Linien verbinden Frau, Vogel, Blumen und Landschaft zu einer gemeinsamen Bildwelt. Aphrodite erscheint dadurch nicht als schöne Frau, die nur betrachtet werden möchte. Sie tritt selbst mit ihrer Umgebung in Beziehung.
Was mich an Aphrodite interessiert:
Ich wollte Schönheit nicht als Perfektion darstellen. Meine Aphrodite steht für eine Sinnlichkeit, die aus Lebendigkeit, Wahrnehmung und schöpferischer Freude entsteht. Sie ist nicht nur die Geliebte. Sie ist auch die Künstlerin, die aus ihrer Begeisterung etwas Neues erschafft.

Demeter – die Fürsorgliche und Nährende
Zentrale Themen: Fürsorge, Mütterlichkeit, Fruchtbarkeit, Verlust und Loslassen
Mythos und Symbolik:
Demeter ist die Göttin des Getreides und der Ernte. Als ihre Tochter Persephone in die Unterwelt gelangt, zieht sie ihre Fruchtbarkeit von der Erde zurück. Erst Persephones zeitweilige Rückkehr bringt neues Wachstum.
Psychologische Bedeutung:
Demeter steht für die Fähigkeit, andere zu nähren, zu beschützen und etwas wachsen zu lassen. Das können Kinder, Beziehungen oder eigene Herzensprojekte sein.
Licht und Schatten:
Ihre Fürsorge schenkt Wärme und Geborgenheit. Sie kann jedoch in Selbstaufopferung, Überfürsorglichkeit oder den Versuch umschlagen, einen geliebten Menschen nicht loszulassen.
Mein Kunstwerk:
Meine Demeter steht inmitten von Rosen, Blättern und Früchten. Sie hält Weintrauben in einer Hand und trägt mit dem anderen Arm eine große Schale voller Früchte. Erdige Töne, Grün und zartes Rosé verbinden ihren Körper mit der sie umgebenden Natur.
Ihre aufrechte Haltung ist mir wichtig. Demeter erscheint nicht als erschöpfte Mutter, sondern als Frau, die selbst Teil jener Fülle ist, die sie weitergibt.
Was mich an Demeter interessiert:
Als Mutter berührt mich besonders die Spannung zwischen Beschützen und Freigeben. Liebe möchte bewahren. Doch ein Kind muss seinen eigenen Weg gehen dürfen. Diese Ambivalenz macht Demeter für mich menschlicher als das Ideal einer Mutter, die grenzenlos gibt und niemals zweifelt.

Hera – die Königin
Zentrale Themen: Würde, Partnerschaft, Bindung, Souveränität und Macht
Mythos und Symbolik:
Hera ist die Königin des Olymp und die Göttin der Ehe. In den Mythen erscheint sie machtvoll und stolz, zugleich aber auch eifersüchtig und verletzt durch die Untreue ihres Mannes Zeus. Der Pfau gehört zu ihren bekanntesten Attributen.
Psychologische Bedeutung:
Hera steht für Verbindlichkeit, Loyalität und den Wunsch nach einer Beziehung auf Augenhöhe. Sie verkörpert eine Frau, die ihren Platz kennt und für ihre Werte eintritt.
Licht und Schatten:
Ihre Stärke liegt in Würde, Verantwortungsbewusstsein und klarer Haltung. Ihre Schattenseite zeigt sich, wenn Anerkennung und Selbstwert zu stark von einer Beziehung oder gesellschaftlichem Status abhängen. Verletzter Stolz kann dann in Eifersucht oder Kontrolle umschlagen.
Mein Kunstwerk:
Meine Hera trägt ein helles, golden leuchtendes Kleid und auffälligen Schmuck. Der blaue Pfau bildet einen kühlen Gegenpol zu den warmen Tönen der Figur. Drei rote Rosen setzen einen konzentrierten Farbakzent.
Ihre Haltung ist aufrecht, ihr Blick zur Seite gerichtet. Sie scheint nicht um Aufmerksamkeit zu bitten, sondern selbst zu entscheiden, wem sie sich zuwendet.
Was mich an Hera interessiert:
Ich wollte Hera nicht auf die Rolle der eifersüchtigen Ehefrau reduzieren. Mich interessiert ihre königliche Würde – aber auch die Verletzlichkeit hinter dieser Fassade. Stärke und Empfindsamkeit schließen einander nicht aus.

Persephone – die Wandelnde
Zentrale Themen: Übergang, Veränderung, Verlust, Reifung und Wiederkehr
Mythos und Symbolik:
Persephone ist die Tochter Demeters. Nachdem Hades sie in die Unterwelt gebracht hat, lebt sie einen Teil des Jahres dort und einen Teil bei ihrer Mutter. Der Granatapfel verbindet sie dauerhaft mit beiden Welten. Die Narzisse erinnert an den Moment ihrer Entführung.
Psychologische Bedeutung:
Persephone steht für Übergänge und Erfahrungen, die einen Menschen verändern. Sie verkörpert Empfänglichkeit, Sensibilität und die allmähliche Entwicklung einer eigenen Identität.
Licht und Schatten:
Ihre Offenheit ermöglicht feine Wahrnehmung und innere Wandlung. Sie kann jedoch auch in Passivität, Abhängigkeit oder den Rückzug vor eigenen Entscheidungen führen.
Mein Kunstwerk:
Meine Persephone trägt ein grünes Kleid und steht zwischen roten Granatäpfeln. In ihrer Hand hält sie eine gelbe Narzisse. Das Grün verweist auf Wachstum und Wiederkehr, während der dunkle blaugrüne Hintergrund die Unterwelt weiterhin gegenwärtig hält.
Ihr Blick ist direkt. Eine Hand hält die zarte Blume, die andere ruht selbstbewusst an ihrer Hüfte. So stehen Verletzlichkeit und wachsende Eigenständigkeit nebeneinander.
Was mich an Persephone interessiert:
Ich wollte keine einfache Geschichte vom Sieg des Lichts über die Dunkelheit erzählen. Persephone kennt beide Welten. Für mich liegt ihre Stärke darin, dass sie ihre Schatten nicht verleugnen muss, um wieder ins Leben zurückzukehren.

Artemis – die Freigeistige
Zentrale Themen: Freiheit, Unabhängigkeit, Naturverbundenheit und Zielstrebigkeit
Mythos und Symbolik:
Artemis ist die Göttin der Jagd und der Wildnis. Bogen, Köcher, Tiere und Mond gehören zu ihren traditionellen Attributen. Sie bleibt unverheiratet und bewegt sich unabhängig von den Paarbeziehungen, die viele andere Göttinnen bestimmen.
Psychologische Bedeutung:
Artemis steht für Selbstständigkeit, Konzentration und den Mut, den eigenen Weg zu gehen. Sie verkörpert den Wunsch nach Freiheit und einem Leben nach den eigenen Werten.
Licht und Schatten:
Ihre Unabhängigkeit kann befreien und große Entschlossenheit hervorbringen. Ihre schwierige Seite zeigt sich, wenn Freiheit mit Beziehungslosigkeit verwechselt wird oder aus Selbstschutz eine unüberwindbare Distanz entsteht.
Mein Kunstwerk:
Meine Artemis erscheint in einer kühlen, beinahe nächtlichen Farbwelt. Die Mondsichel auf ihrer Stirn, der Köcher und die Berglandschaft verweisen auf ihre mythologische Herkunft. Neben ihr steht ein heller Hund.
Die Linien verbinden Frau, Tier und Landschaft miteinander. Artemis beherrscht die Natur nicht. Sie gehört zu ihr.
Was mich an Artemis interessiert:
Ihr Wunsch nach einem selbstbestimmten Weg berührt mich persönlich. Mit 14 Jahren verließ ich eine bedrückende Umgebung und ging in ein Jugendheim, weil ich meinem Leben eine andere Richtung geben wollte. Erst viel später erkannte ich in Artemis ein Bild für jene Entschlossenheit, die ich damals noch nicht benennen konnte.

Athene – die Strategin
Zentrale Themen: Weisheit, Verstand, Strategie, Handwerk und Verantwortung
Mythos und Symbolik:
Athene ist die Göttin der Weisheit, des Handwerks und der strategischen Kriegsführung. Dem Mythos zufolge entspringt sie gerüstet dem Kopf des Zeus. Eule, Speer, Schild und Olivenbaum gehören zu ihren bekanntesten Attributen.
Psychologische Bedeutung:
Athene steht für klares Denken, vorausschauendes Handeln und die Fähigkeit, Wissen praktisch anzuwenden. Sie verkörpert Konzentration, Selbstdisziplin und geistige Unabhängigkeit.
Licht und Schatten:
Ihre Stärke liegt in Klarheit, Vernunft und strategischem Geschick. Ihre schwierige Seite zeigt sich, wenn Kontrolle und Leistung jedes Gefühl überlagern oder Klugheit zur Distanz gegenüber anderen wird.
Mein Kunstwerk:
Meine Athene tritt frontal auf. Sie trägt einen goldenen Helm und hält Speer und Schild. Auf dem Schild erscheint die Eule als deutliches Zeichen der Weisheit. Goldene Olivenbäume heben sich vom tiefblauen Hintergrund ab.
Der strengere Bildaufbau wird durch ihre langen Haare und die fließenden Linien des Gewandes ausgeglichen. Verstand und Sinnlichkeit erscheinen dadurch nicht als Gegensätze.
Was mich an Athene interessiert:
Athene wird nicht durch Lautstärke mächtig. Ihre Kraft liegt in Konzentration und Klarheit. Ihr direkter Blick wirkt, als hätte sie ihre Entscheidung bereits getroffen – und müsste sie vor niemandem rechtfertigen.
Hestia – die Zentrierte
Zentrale Themen: Sammlung, Rückzug, Zugehörigkeit, innere Ordnung und Stille
Mythos und Symbolik:
Hestia ist die Göttin des Herdes und des heiligen Feuers. Anders als viele olympische Göttinnen steht sie im Mittelpunkt nur weniger dramatischer Geschichten. Ihre Bedeutung liegt in der Beständigkeit des Feuers, um das sich das gemeinschaftliche Leben ordnet.
Psychologische Bedeutung:
Hestia steht für innere Sammlung, Konzentration und die Fähigkeit, bei sich zu bleiben. Sie verkörpert einen stillen Mittelpunkt, der nicht von äußerer Aufmerksamkeit abhängig ist.
Licht und Schatten:
Ihre Ruhe kann Klarheit und Halt geben. Ihre Schattenseite beginnt dort, wo Rückzug zur Unsichtbarkeit wird oder ein Mensch die Welt aus Angst nicht mehr an sich heranlässt.
Mein Kunstwerk:
Für Hestia wählte ich Lavendel, Violett, Blau und gebrochenes Weiß. Ihre Augen sind geschlossen. In den Händen trägt sie eine Schale mit einer violetten Flamme. Mond, Berge, Rosen und Gewand gehen durch Linien und Flächen ineinander über.
Die Figur zieht sich nicht vollständig aus der Welt zurück. Sie scheint deren unterschiedliche Elemente in sich zu sammeln.
Was mich an Hestia interessiert:
Hestia ist für mich keine Aufforderung, dem Leben zu entfliehen. Sie erinnert an einen inneren Ort, zu dem wir zurückkehren können – damit wir in der äußeren Unruhe nicht verlieren, was uns wesentlich ist.
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5. Warum keine einzelne Göttin Weiblichkeit erklären kann
Bei einer Serie aus sieben Archetypen liegt die Frage nahe: Welche Göttin bin ich?
Für mich ist eine andere Frage spannender: Was wird zwischen diesen Göttinnen sichtbar?
Demeters Fürsorge steht neben Artemis’ Unabhängigkeit. Aphrodites Sinnlichkeit begegnet Athenes Klarheit. Hera sucht Bindung und Würde, Persephone kennt Übergang und Veränderung, Hestia bildet ein stilles Zentrum.
Diese Kräfte können sich ergänzen, aber auch widersprechen. Eine Frau kann sich nach Nähe sehnen und zugleich Freiheit brauchen. Sie kann entschlossen handeln und dennoch verletzlich sein. Sie kann andere umsorgen und lernen müssen, nicht jeden Weg für sie zu bestimmen.
Keine der sieben Göttinnen kann das Frausein allein verkörpern. Erst ihre Unterschiede, Spannungen und Widersprüche zeigen, wie vielschichtig Weiblichkeit sein kann.
Deshalb verstehe ich die Serie nicht als Test und nicht als Anleitung zur Selbstoptimierung. Die Göttinnen sind offene Bilder. Vielleicht fühlt sich eine Betrachterin von einer Figur besonders angezogen. Ein anderer Mensch erkennt etwas ganz anderes. Beides darf bestehen bleiben.
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6. Wie Farben, Tiere und Pflanzen die Göttinnen erzählen
Mythologische Figuren sind in der Kunst oft an ihren Attributen erkennbar. Doch ein Symbol allein macht noch kein lebendiges Bild. Mich interessiert, wie es sich in die gesamte Komposition einfügt und welche Beziehung zwischen Figur und Umgebung entsteht.
Die weiße Taube Aphrodites bewegt sich auf ihre Hand zu. Demeters Früchte ruhen nicht dekorativ neben ihr, sondern werden von ihr getragen. Heras Pfau steht für königliche Würde, während die Rosen ihrer Erscheinung Wärme verleihen. Persephones Granatäpfel machen die Bindung an die Unterwelt sichtbar. Artemis wird von Hund, Mond und Gebirge begleitet. Athene tritt mit Eule, Speer, Schild und Olivenbäumen auf. Hestia trägt die Flamme selbst in ihren Händen.
Auch die Farben erzählen. Aphrodites Rot setzt sinnliche Präsenz frei. Demeters erdige Töne sprechen von Fülle. Heras Gold und Blau wirken feierlich und souverän. Persephones Grün steht zwischen Wachstum und der Dunkelheit des Hintergrunds. Artemis gehört zur kühlen Nachtlandschaft. Athene verbindet tiefes Blau mit leuchtendem Gold. Hestias Violett nimmt sich zurück, ohne blass zu werden.
Diese Farben sind keine allgemeingültigen psychologischen Codes. Ein Farbton erhält seine Bedeutung erst im Zusammenspiel mit Motiv, Licht, Form und persönlicher Erfahrung. In der Serie schaffen sie jedoch sieben klar unterscheidbare Atmosphären.
Blumen sind in meinen Frauenbildern jedoch nicht nur mythologische Attribute. Oft entwickeln sie eine eigene Präsenz und verändern, wie wir die dargestellte Frau wahrnehmen. Mehr darüber erzähle ich in „Frauen und Blumen in der Kunst“.
7. Was die sieben Bilder als Flowismus-Serie verbindet
Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Göttinnen stark. Gerade deshalb musste ich eine Bildsprache finden, die sie zusammenhält, ohne ihre Eigenarten einzuebnen.
Diese Verbindung entsteht durch die klaren schwarzen Konturen, die stilisierten Frauenfiguren, wiederkehrende Naturformen und die rhythmische Gliederung der Flächen. Die Linien enden nicht an den Körpern. Sie führen durch Kleider, Landschaften, Tiere, Blüten und Früchte hindurch.
Das ist ein zentraler Gedanke meines Flowismus: Die einzelnen Elemente behaupten ihre Form und bleiben dennoch miteinander verbunden. Bewegung entsteht aus dieser Beziehung. Nichts steht völlig isoliert im Bild.
Auch die Frauen selbst sind weder naturgetreu porträtiert noch zu unpersönlichen Symbolen reduziert. Ihre Gesichter tragen eine gewisse Verwandtschaft, doch Blick, Haltung und Farbwelt verleihen jeder eine eigene Persönlichkeit.
Mehr über die Entstehung und die Bildsprache dieses von mir entwickelten Stils erzähle ich in meinem Artikel „Flowismus – mein Kunststil zwischen Jugendstil, Bewegung und weiblicher Bildsprache“.
8. Die Göttinnenbilder als Kunstsammlung in der Frauenarztpraxis Asantae
Die sieben Göttinnen entstanden als zusammengehörige Serie. Heute befinden sich alle sieben Originalgemälde in der Frauenarztpraxis Asantae in Winterthur.
Die Praxisinhaberin hatte zunächst fünf Flowismus-Werke als Auftragsarbeiten bei mir bestellt. Später kamen die beiden sanfteren Gemälde Light of Femininity und Feel Beautiful Always hinzu. Als die Praxis erweitert wurde, entschied sie sich schließlich für meine gesamte Göttinnen-Serie.
So wurden aus einzelnen Aufträgen und späteren Ankäufen insgesamt 14 Originalgemälde. Die sieben Göttinnen empfangen heute Patientinnen im Wartebereich und begleiten sie auf den Fluren. Für mich ist das ein besonderer Ort für diese Serie: unterschiedliche Frauenfiguren begegnen dort Frauen in sehr verschiedenen Lebensphasen, ohne ihnen eine bestimmte Interpretation aufzudrängen.
Wie diese Kunstsammlung Schritt für Schritt mit den Räumen gewachsen ist, zeige ich in meinem Projektbericht „Kunst für die Frauenarztpraxis Asantae“.
9. Die sieben Göttinnen in meiner Videoreihe
Beim Malen musste ich mich intensiv mit den Mythen, Symbolen sowie den Licht- und Schattenseiten jeder Göttin auseinandersetzen. Aus dieser Beschäftigung entstand später eine eigene YouTube-Reihe.
In den Videos erzähle ich ausführlicher von Aphrodite, Demeter, Hera, Persephone, Artemis, Athene und Hestia. Dabei geht es um ihre überlieferten Geschichten, um meine persönliche Sicht auf die Figuren und um die Gedanken hinter den Bildern.
Die Videos ergänzen die Gemälde, ersetzen aber nicht ihre offene Wirkung. Ein gesprochenes Wort führt eine Deutung aus. Ein Bild kann gleichzeitig mehrere Deutungen in sich tragen.
Zur YouTube-Videoreihe „Archetypen, Weiblichkeit und Kunst“
10. Wie die Archetypen in meiner Kunst weiterleben
Mit dem letzten Göttinnenbild war das Thema für mich nicht abgeschlossen. Archetypische Eigenschaften erscheinen auch in meinen anderen Frauenbildern: Heras Würde, Aphrodites Sinnlichkeit, Demeters Fürsorge oder Hestias stille Sammlung.
Meist plane ich diese Bezüge nicht. Erst beim Malen zeigt sich, welche Persönlichkeit eine Frau entwickelt – durch ihren Blick, ihre Haltung, die Farben und die Symbole um sie herum.
Die sieben Göttinnen-Originale haben ihren festen Platz in der Frauenarztpraxis Asantae gefunden. Meine Auseinandersetzung mit den vielen Seiten der Weiblichkeit geht jedoch weiter.
In meiner Online-Galerie findest du verfügbare Originalgemälde. Auch ein individuelles Auftragswerk mit einer persönlichen oder mythologischen Symbolik ist möglich.
Eine weitere archetypische Frauenfigur stelle ich im Artikel „Die Femme Fatale in der Kunst“ vor.
Kontakt: info@ekaterina-more.com
FAQ – häufige Fragen zu den sieben weiblichen Archetypen
Welche sieben weiblichen Archetypen gibt es?
In Jean Shinoda Bolens bekanntem Modell werden Aphrodite, Demeter, Hera, Persephone, Artemis, Athene und Hestia als sieben Göttinnen-Archetypen beschrieben. Sie stehen unter anderem für Sinnlichkeit, Fürsorge, Bindung, Wandel, Unabhängigkeit, Weisheit und innere Sammlung.
Hat C. G. Jung die sieben Göttinnen-Archetypen entwickelt?
Nein. C. G. Jung prägte den psychologischen Archetypenbegriff und beschrieb wiederkehrende Urbilder und Grundmuster. Die konkrete Übertragung auf sieben griechische Göttinnen stammt von der jungianisch geprägten Psychiaterin Jean Shinoda Bolen.
Was bedeuten weibliche Archetypen in der Kunst?
In der Kunst können weibliche Archetypen Erfahrungen und Eigenschaften in einer sichtbaren Figur bündeln. Mythologische Attribute, Körperhaltung, Farbe und Komposition geben Hinweise, ohne die Bedeutung vollständig festzulegen. Dadurch bleiben archetypische Frauenbilder offen für persönliche und kulturelle Deutungen.
Muss ich mich einem weiblichen Archetyp zuordnen?
Nein. Die sieben Göttinnen sind keine festen Kategorien und kein psychologischer Test. Verschiedene Aspekte können gleichzeitig interessant oder vertraut wirken. Für meine Kunst ist gerade das Zusammenspiel ihrer Unterschiede entscheidend.
Welche Symbole gehören zu den sieben Göttinnenbildern?
In meiner Serie erscheinen unter anderem Aphrodites Taube und Rosen, Demeters Früchte, Heras Pfau, Persephones Granatäpfel und Narzisse, Artemis’ Mond, Hund und Köcher, Athenes Eule, Speer und Olivenbäume sowie Hestias Flamme.
Sind die sieben Göttinnenbilder noch erhältlich?
Die sieben Originalgemälde gehören heute zur Kunstsammlung der Frauenarztpraxis Asantae in Winterthur und sind nicht mehr erhältlich. Weitere Frauenbilder und verfügbare Originale findest du in meiner Online-Galerie. Individuelle Auftragswerke sind ebenfalls möglich, entstehen jedoch immer als neue, eigenständige Kompositionen.





