Buntglasfenster als Inspiration für meine Flowismus-Malerei

Flowismus moderne Kunstrichtung - sinnliche Frauengemälde von Ekaterina Moré

 Buntglasfenster haben meine Flowismus-Malerei stärker geprägt, als mir lange bewusst war. Ihr Zusammenspiel aus leuchtenden Farbflächen, dunklen Konturen und einfallendem Licht wurde zu einer wichtigen Quelle für meine eigene Bildsprache. Einzelne Formen bleiben sichtbar und verbinden sich dennoch zu einem Ganzen. Genau dieser Gedanke findet sich später im Flowismus wieder.

Meine Frauenbilder sind keine Glasmalerei. Sie entstehen mit Acrylfarben auf Leinwand. Trotzdem lebt etwas von der besonderen Wirkung farbiger Fenster in ihnen weiter: intensive Farben, klare Linien und eine Bildwelt, in der Frauenfiguren, Blumen und Naturformen einander tragen.

Wie diese Verbindung begann, führt mich zurück zu einer frühen Erinnerung.


„Genießen“ von Ekaterina Moré – farbintensives Flowismus-Gemälde mit Frauenfigur, Blumen und dunklen Konturen

1. Ein Kaleidoskop aus Licht – meine erste Erinnerung an Buntglas

Als Kind sah ich in St. Petersburg zum ersten Mal farbige Kirchenfenster. An einzelne Figuren oder Geschichten erinnere ich mich heute weniger genau als an das Licht.

Sobald die Sonne durch das Glas fiel, veränderte sich der Raum.

Die Farben erschienen beinahe unwirklich. Rot, Blau, Gelb und Grün lagen nicht einfach nebeneinander. Sie leuchteten miteinander, wurden von dunklen Linien gegliedert und bildeten dennoch ein Ganzes. Für mich sah es aus wie ein riesiges Kaleidoskop, das sich mit jedem Lichteinfall neu zusammensetzte.

Vielleicht faszinierte mich gerade diese Verbindung so sehr: Die einzelnen Teile blieben klar erkennbar, aber keiner von ihnen wirkte allein.

Auch die Atmosphäre beeindruckte mich. Das Licht verlieh dem Raum etwas Feierliches. Nicht laut oder überwältigend. Eher so, als würde die sichtbare Welt für einen Moment noch eine andere Ebene bekommen.

Später blieb ich auf Reisen immer wieder vor Kirchenfenstern stehen. Ich betrachtete, wie sich ihre Farben abhängig von Tageszeit, Wetter und Standort veränderten. Manche wirkten am Morgen kühl und still. Andere begannen am Nachmittag plötzlich zu glühen.

Besonders die Fenster von Marc Chagall und Henri Matisse zeigten mir, dass große Künstler in Glas eine ebenso persönliche Bildsprache entwickeln konnten wie auf Leinwand. Farbe war dort nicht bloß eingefärbte Fläche. Sie wurde vom Licht selbst lebendig gemacht.

Irgendwann entstand in mir die Frage: Könnte ich mit Malerei ein ähnliches Gefühl erzeugen?

Ich wollte kein Kirchenfenster nachahmen. Ich wollte dieses Fest aus Licht, Farbe und feierlicher Stille in meiner eigenen Kunst festhalten.


Flowismus-Gemälde mit rothaariger Frau im dunkelblauen Kleid, klaren Konturen und leuchtenden Farbflächen

2. Warum Farben erst im Zusammenspiel leuchten

Die Leuchtkraft eines Buntglasfensters entsteht nicht allein durch intensive Farben.

Entscheidend ist, was zwischen ihnen geschieht.

Eine helle gelbe Fläche wirkt neben einem tiefen Blau anders als neben einem warmen Rot. Ein kräftiges Orange beginnt stärker zu leuchten, wenn es von dunkleren Tönen umgeben ist. Selbst Schwarz nimmt den Farben nicht ihre Strahlkraft. Es kann sie steigern.

Diese Beobachtung wurde für meine Malerei wichtig.

Lange dachte ich, dass man für ein besonders farbstarkes Bild vor allem kräftige Farbtöne braucht. Doch Leuchtkraft entsteht nicht durch möglichst viel Buntheit. Wenn alle Flächen gleich hell und intensiv sind, beginnen sie miteinander zu konkurrieren.

Ein Bild braucht Unterschiede.

Helle und dunkle Partien. Warme und kühle Töne. Ruhige Flächen und Stellen, an denen sich die Farbe verdichtet. Manche Bereiche treten hervor, andere nehmen sich zurück. Erst aus diesem Wechsel entsteht Spannung.

Das gilt auch innerhalb einer einzelnen Farbe. Rot ist nicht einfach Rot. Es kann warm, tief, leuchtend, gedeckt oder beinahe braun erscheinen. Seine Wirkung verändert sich durch jede Farbe, die danebensteht.

Deshalb entscheide ich nie über einen Farbton unabhängig von der gesamten Komposition. Eine Farbe braucht eine Antwort. Manchmal erscheint sie an einer anderen Stelle noch einmal. Manchmal erhält sie einen bewussten Gegenpol.

Aus diesem Zusammenspiel entsteht nicht nur Leuchtkraft. Die Farben beginnen beinahe, sich durch das Bild zu bewegen. Wie daraus in meinen Frauenbildern ein eigener Rhythmus und der „Tanz der Farben“ entsteht, zeige ich in meinem Artikel über tanzende Frauen in der Kunst.

➤ Wie unterschiedlich wir Farben abhängig von Licht, Motiv und persönlicher Erfahrung wahrnehmen, beschreibe ich ausführlicher in meinem Artikel über die Farbwirkung in der Kunst.

 

Sinnliche Frauenbilder - Leben genießen - Flowismus Kunst von Ekaterina Moré

3. Von der Bleilinie zur gemalten Kontur

Bei traditionellen Bleiglasfenstern hält das Bleinetz die einzelnen Glasstücke zusammen. Zugleich wird es zum sichtbaren Gerüst der Komposition: Es trennt die Farbflächen und verbindet sie zu einem Ganzen.

Dieser scheinbare Widerspruch fasziniert mich bis heute.

Auch in meinen Flowismus-Gemälden sind Konturen keine bloßen Umrandungen. Sie geben den Formen Halt und führen den Blick durch das Bild. Eine Linie kann am Haar einer Frau beginnen, sich in einem Arm fortsetzen und später als Blatt, Welle oder ornamentale Form wiederkehren.

Dadurch entsteht Bewegung. Doch diese Bewegung ist nicht das eigentliche Ziel.

Sie entsteht aus der Verbundenheit.

Die Frau steht nicht vor einer beliebigen Kulisse. Ihre Körperhaltung wird von den Formen der Umgebung aufgenommen. Blumen, Wasser, Fische, Stoffe und abstrakte Farbflächen gehören zu derselben Bildwelt.

Trotzdem verschwimmt nicht alles miteinander. Jede Form behält ihre Eigenständigkeit. Gerade das habe ich von Buntglasfenstern gelernt: Ein Ganzes muss nicht dadurch entstehen, dass Unterschiede verschwinden. Es kann entstehen, weil einzelne Teile miteinander in Beziehung treten.

Darin liegt für mich ein wesentlicher Gedanke des Flowismus: verbunden zu sein, ohne die eigene Form zu verlieren.

Wie diese Bildsprache entstand und weshalb Verbundenheit ihr innerer Kern ist, erzähle ich in meinem Hauptartikel Flowismus – mein Kunststil der Verbundenheit“.

 

Sinnliche Frauenbilder - Frau mit Wasserkrug - Flowismus Kunst von Ekaterina Moré

4. Wie Leuchtkraft auf Leinwand entsteht

Ein Buntglasfenster lebt vom Licht, das durch das farbige Glas hindurchscheint. Bei einem Gemälde geschieht etwas anderes: Das Licht trifft auf die bemalte Oberfläche und wird von ihr reflektiert.

Deshalb lässt sich die Wirkung eines Fensters nicht einfach auf Leinwand übertragen.

Ich musste meine eigene malerische Lösung finden.

Über viele Jahre entwickelte ich eine Technik, mit der ich Farben besonders leuchtend erscheinen lassen kann. Dabei geht es nicht um einen einzelnen Trick. Entscheidend ist der gesamte Aufbau des Bildes.

Ich arbeite mit mehreren Farbschichten, passe Übergänge an und beobachte immer wieder, wie eine Fläche auf ihre Umgebung reagiert. Manche Farben brauchen einen helleren Untergrund. Andere gewinnen an Tiefe, wenn dunklere Töne darunter oder danebenliegen.

Auch die klaren Konturen spielen eine wichtige Rolle. Sie bündeln die Farbflächen und verhindern, dass eine intensive Komposition unruhig auseinanderfällt.

Aus der Nähe erkennt man die Oberfläche der Leinwand, einzelne Übergänge und Spuren des Malprozesses. Aus größerer Entfernung schließen sich die Flächen zu einer gemeinsamen Komposition zusammen.

Dieser Wechsel zwischen Nähe und Abstand gehört für mich zum fertigen Werk. Ein Bild soll aus der Entfernung eine klare Präsenz besitzen und dennoch bei längerem Betrachten neue Einzelheiten zeigen.


Sinnliche Frauenbilder - Göttin Hestia/ Vesta - Flowismus Kunst von Ekaterina Moré

5. Von der Madonna zur modernen Frauenfigur

Buntglasfenster erzählen häufig religiöse Geschichten. Meine Malerei ist nicht religiös. Trotzdem haben die dort dargestellten Frauenfiguren Spuren in meiner Kunst hinterlassen.

Besonders Madonnendarstellungen haben mich schon früh bewegt.

Ihre sanften Gesichter, die geschlossenen oder gesenkten Augen und die schützenden Gesten verkörperten für mich Güte, Schönheit und stille Würde. Es ging dabei nicht nur um Maria als religiöse Figur. Mich berührte das menschliche Bild dahinter: Zuwendung, Schutz und eine tiefe Verbindung zu einem anderen Wesen.

Ähnliche Haltungen tauchen bis heute in meinen Frauenbildern auf.

Viele meiner Figuren haben die Augen geschlossen. Sie suchen nicht den direkten Blickkontakt mit dem Betrachter. Sie wirken, als wären sie in einen eigenen Gedanken, eine Erinnerung oder eine innere Empfindung versunken.

Auch ihre Sanftheit bedeutet für mich keine Schwäche.

Eine ruhige Frau kann sehr präsent sein. Ein gesenkter Blick kann Rückzug ausdrücken, aber ebenso Vertrauen, Selbstgewissheit oder Konzentration. Ich möchte diese Deutungen nicht festlegen.

Meine Frauen sind keine modernen Heiligenfiguren. Sie verkörpern unterschiedliche Seiten des Menschlichen: Sinnlichkeit und Ruhe, Nähe und Eigenständigkeit, Lebensfreude und Melancholie.

Warum mich Madonnenbilder so stark geprägt haben und wie sich das Mutterbild in meiner Kunst weiterentwickelt, erzähle ich ausführlicher in „Die Mutter in der Kunst – von der Madonna zur modernen Frauenfigur.


6. Wenn Frau und Natur zu einer Bildwelt werden

In meinen flowistischen Gemälden steht die Frau selten allein.

Blumen nehmen Linien ihrer Haltung auf. Haare gehen in Wellen oder ornamentale Flächen über. Fische bewegen sich durch denselben Rhythmus wie ein liegender Körper. Früchte, Blätter und Gefäße wiederholen Farben, die bereits in Kleidung oder Haut angelegt sind.

Die Natur ist dabei nicht nur Dekoration.

Sie erweitert die Figur und öffnet weitere Bedeutungsebenen. Eine Blüte kann an Entfaltung oder Vergänglichkeit erinnern. Früchte können von Genuss und Fülle erzählen. Wasser kann gleichzeitig Leichtigkeit, Bewegung und Tiefe andeuten.

Doch kein Symbol besitzt nur eine festgelegte Bedeutung.

Auch darin besteht eine Verbindung zum Kaleidoskop meiner Kindheit: Die einzelnen Teile bleiben dieselben, aber aus ihrer Anordnung können immer neue Bilder entstehen.

Diese Beziehung zwischen Frau und Natur zeigt sich besonders deutlich in meinen farbintensiven flowistischen Werkgruppen. Eine ruhende Frau, eine Blume oder ein Fisch werden nicht nacheinander betrachtet. Der Blick wandert durch die gesamte Komposition.

Manchmal folgt er einer schwarzen Linie. Manchmal wird er von einer wiederkehrenden Farbe weitergeführt. Erst nach und nach zeigt sich, wie viele kleine Verbindungen im Bild angelegt sind.

Warum Blumen in meinen Frauenbildern mehr als schmückendes Beiwerk sind, beschreibe ich auch in meinem Artikel Frauen und Blumen in der Kunst“.


Sinnliche Frauenbilder - Musikerin - Flowismus Kunst von Ekaterina Moré

7. Welche Rolle Musik beim Malen spielt

Zu meiner Erinnerung an farbige Kirchenfenster gehört auch Musik.

Besonders die Orgelwerke von Johann Sebastian Bach gefallen mir. In ihnen empfinde ich etwas Ähnliches wie in großen Buntglasfenstern: einzelne Stimmen, klare Strukturen, kraftvolle Kontraste – und trotzdem einen Zusammenhang, der größer wirkt als seine einzelnen Teile.

Beim Malen höre ich häufig klassische Musik.

Sie gibt mir keine Motive vor. Ich male keine sichtbare Übersetzung eines bestimmten Musikstücks. Aber Musik beeinflusst meinen Rhythmus. Sie verändert, wie lange ich bei einer Linie bleibe, wie sich eine Bewegung durch die Komposition fortsetzt oder wann ein Bild mehr Ruhe braucht.

Vielleicht hat mich gerade diese Verbindung aus Farbe, Licht und Musik so tief geprägt.

Ich wollte nie nur dekorative Farbflächen schaffen. Ich suchte nach Motiven, die eine eigene Atmosphäre entwickeln. Nach einem Wechsel zwischen Kraft und Stille. Nach etwas Feierlichem, das nicht an einen religiösen Raum gebunden ist.

Ein solches Fest kann auch in einem ganz gewöhnlichen Moment liegen: in einer Frau, die ruht, Musik hört, Blumenduft einatmet oder einfach Zeit für sich hat.

Diese Momente erscheinen klein. In einem Gemälde können sie eine andere Größe bekommen.


Flowismus-Frauenbild von Ekaterina Moré mit Frau im roten Kleid und leuchtenden Blumen in einem modernen Wohnzimmer

8. Wie farbstarke Flowismus-Gemälde im Raum wirken

Ein farbintensives Gemälde verändert einen Raum deutlich. Es bleibt nicht im Hintergrund.

Gerade deshalb braucht es nicht zwingend eine farbige oder expressive Einrichtung. Viele meiner Flowismus-Werke wirken besonders gut in ruhigen Räumen mit hellen Wänden, klaren Möbeln und natürlichen Materialien.

Das Gemälde darf dort zum Mittelpunkt werden.

Seine Farben können im Raum kleine Verbindungen aufnehmen: einen Ton aus einem Stoff, ein dunkles Holz, Metall, Glas oder eine einzelne Pflanze. Dabei muss die Einrichtung nicht exakt auf das Bild abgestimmt werden. Wichtiger ist, dass genügend Raum bleibt, damit das Werk aus angemessener Entfernung betrachtet werden kann.

Auch das Licht verändert seine Wahrnehmung.

Am Tag treten manche Farben besonders klar hervor. Am Abend kann eine gezielte Beleuchtung stärkere Kontraste und eine wärmere Atmosphäre erzeugen. Anders als ein Buntglasfenster benötigt das Gemälde kein durchscheinendes Sonnenlicht. Trotzdem lebt auch seine Oberfläche von wechselnden Lichtverhältnissen.

Vor dem Kauf eines Originals lohnt es sich deshalb, nicht nur auf das Motiv zu achten. Ebenso wichtig sind Größe, Blickabstand, Licht und die Frage, welche Präsenz das Bild im Raum entwickeln darf.

Auf Wunsch erstelle ich eine digitale Ansicht, mit der Du sehen kannst, wie ein Werk an Deiner eigenen Wand wirken könnte.

Was von den Buntglasfenstern in meiner Kunst geblieben ist

ch male keine Kirchenfenster auf Leinwand. Geblieben ist ihre wichtigste Erfahrung: Farbe beginnt dort zu leuchten, wo sie einer anderen Farbe begegnet. Linien können trennen und zugleich verbinden. Einzelne Formen können eigenständig bleiben und dennoch Teil einer gemeinsamen Welt sein.

Vielleicht liegt genau darin der Einfluss der Buntglasfenster auf meinen Flowismus. Sie zeigten mir früh, dass Schönheit nicht in einem einzelnen Farbton oder Motiv entsteht, sondern in der Beziehung zwischen allen Teilen des Bildes.

Aktuell verfügbare Werke findest Du in meiner Galerie für Flowismus-Originalgemälde. Wenn Dich ein Werk anspricht, kannst Du mir ein Foto Deines Raumes schicken. Gemeinsam prüfen wir, wie Format, Farbwelt und Präsenz des Originals bei Dir wirken könnten: info@ekaterina-more.com 


Häufige Fragen

Sind die Flowismus-Gemälde auf Glas gemalt?

Nein. Meine Flowismus-Werke sind handgemalte Acrylgemälde auf Leinwand. Buntglasfenster sind eine wichtige ästhetische Inspiration, aber keine von mir verwendete Maltechnik.

Wie beeinflussen Buntglasfenster den Flowismus?

Der Einfluss zeigt sich vor allem in den leuchtenden Farbflächen, den klaren dunklen Konturen und dem Zusammenspiel einzelner Formen. Wie bei einem Buntglasfenster bleiben die Teile erkennbar und werden zugleich zu einer gemeinsamen Komposition verbunden.

Warum verwende man bei Flowismus schwarze Konturen?

Die Konturen geben den Farbflächen Halt, führen den Blick und stellen Beziehungen zwischen Figur und Umgebung her. Sie können Formen voneinander abgrenzen und sie gleichzeitig miteinander verbinden.

Wo kann man Flowismus-Originalgemälde kaufen?

Verfügbare und von mir signierte Unikate findest Du in meiner Flowismus-Galerie. Auch individuelle Auftragsarbeiten sind möglich. Gerne berate ich Dich dazu!

 

Online-Galerie

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