Ich war längst Künstlerin und malte seit mehr als zwanzig Jahren, als ich zum ersten Mal bewusst über Hochsensibilität las.
Der Begriff veränderte meine Kunst nicht. Aber er veränderte die Art, wie ich mein Leben und vielleicht auch meine Bilder verstand.
Vor etwa fünf Jahren entdeckte ich die Bücher der amerikanischen Psychologin Elaine Aron. Während des Lesens ergaben viele Dinge, die mir vorher widersprüchlich erschienen waren, plötzlich ein gemeinsames Bild.
Mein starkes Bedürfnis nach Rückzug. Die Art, wie Stimmungen anderer Menschen lange in mir nachklangen. Meine Empfindlichkeit gegenüber Lärm, Unruhe und bedrückenden Nachrichten. Aber auch die Intensität, mit der ich Farben, Musik, Gesichter und Schönheit wahrnahm.
Ich erkannte mich in vielem wieder.
Nicht in jedem Satz und nicht wie in einer fertigen Beschreibung meiner Persönlichkeit. Eher wie in einem Spiegel, in dem ich einzelne, sehr vertraute Seiten von mir deutlicher sehen konnte.
Heute kann ich sagen: Ich bin hochsensibel.
Das ist für mich weder eine Diagnose noch ein besonderes Verdienst. Es ist eine Art, die Welt wahrzunehmen. Manchmal bereichernd, manchmal anstrengend. Und wahrscheinlich hat sie meine Malerei stärker geprägt, als mir lange bewusst war.

1. Als ich ein Wort für meine Wahrnehmung fand
Elaine Aron beschreibt Hochsensibilität als Sensory Processing Sensitivity – eine besonders ausgeprägte Sensitivität für äußere und innere Reize. Es handelt sich nicht um eine Krankheit und nicht um eine medizinische Diagnose. Auch Aron weist darauf hin, dass ihre Informationen und Selbsttests keine fachliche Diagnostik ersetzen.
Für mich lag die Bedeutung dieses Begriffs ohnehin nicht darin, mich endgültig einer Gruppe zuzuordnen.
Wichtiger war etwas anderes: Ich verstand mich besser.
Ich begriff, warum ich sehr viel Zeit und Raum für mich brauche. Warum ich nach intensiven Begegnungen nicht sofort zur Tagesordnung übergehen kann. Warum manche Nachrichten, Konflikte oder Stimmungen beinahe körperlich in mir bleiben. Und warum es mir schwerfällt, gleichzeitig offen für meine inneren Bilder und vollkommen verfügbar für die Außenwelt zu sein.
Lange hatte ich versucht, diese Seiten getrennt zu betrachten.
Auf der einen Seite die Verletzlichkeit. Auf der anderen die Kreativität.
Auf der einen Seite die schnelle Überforderung. Auf der anderen meine große Freude an Farben, Musik, Menschen und neuen Eindrücken.
Heute sehe ich, dass beides wahrscheinlich aus derselben Durchlässigkeit entsteht.
Was mich belastet, kann mich auch inspirieren. Was mich öffnet, kann mich zugleich verletzlicher machen.
Diese Erkenntnis war erleichternd. Nicht weil damit alle Schwierigkeiten verschwanden. Aber weil ich aufhörte, sie nur als persönliches Versagen zu betrachten.

2. Die Welt war für mich schon immer voller Eindrücke
Ich kann keine einzelne Szene aus meiner Kindheit nennen, in der meine Hochsensibilität plötzlich sichtbar wurde.
Es war eher ein Grundgefühl.
Die Welt war voller Eindrücke. Farben, Geräusche, Räume, Gerüche, Gesichter. Manchmal wunderschön. Manchmal überwältigend. Oft beides gleichzeitig.
Meine Kindheit spielte sich an sehr unterschiedlichen Orten ab. St. Petersburg mit seinen Palästen, Museen, Adelshäusern und edlen Farbtönen. Die Halbinsel Kamtschatka mit Schnee, Vulkanen und einer Natur, die größer wirkte als der Mensch. Später die Jahre nahe der koreanischen Grenze, in denen asiatische Farben, Formen und Bildwelten hinzukamen.
Dazu kamen häufige Orts- und Schulwechsel. Immer wieder neue Räume, Menschen und Atmosphären.
Vielleicht lernt man dadurch früh, genau hinzusehen. Wer neu ist, versucht zu verstehen, was um ihn herum geschieht. Welche Regeln gelten. Wie Menschen miteinander sprechen. Was ausgesprochen wird – und was nicht.
Ich glaube, dass ich schon damals vieles zwischen den Zeilen wahrnahm.
Nicht immer richtig. Sensibilität bedeutet schließlich nicht, dass jede Empfindung automatisch wahr ist. Aber Stimmungen erreichten mich schnell und blieben lange.
Eine unscharfe Welt und meine Liebe zu klaren Linien
Seit meiner Kindheit bin ich stark kurzsichtig.
Ohne Brille verlor die Welt ihre Konturen. Gesichter, Gegenstände und Räume lösten sich in unscharfe Flächen auf. Grenzen verschwanden, Farben blieben.
Vielleicht liegt darin ein Teil meiner späteren Bildsprache.
Meine Frauenbilder besitzen meist klare Linien. Gesichter, Hände, Körper und Stoffe werden durch Konturen zusammengehalten. Auch intensive Farbflächen bekommen eine erkennbare Form.
Ich kann nicht beweisen, dass meine Kurzsichtigkeit dafür verantwortlich ist. Künstlerische Entwicklungen haben selten nur eine Ursache. Aber der Gedanke erscheint mir bis heute schlüssig:
Vielleicht sind meine klaren Konturen auch der Versuch, einer Welt Form zu geben, die mir ohne Brille früh ihre Grenzen entzog.
Farbe und Klarheit wurden für mich nie zu Gegensätzen. Im Gegenteil. Erst eine starke Form erlaubt es der Farbe manchmal, wirklich frei zu leuchten.
Wie verschiedene Orte und Erfahrungen meine Farbwelt geprägt haben, erzähle ich ausführlicher in meinem Artikel über die Farbwirkung in der Kunst.
3. Die Kunst verbindet mich mit der Welt – und schützt mich vor ihr
Kunst war für mich nie nur ein Beruf.
Sie ist auch nicht einfach ein angenehmes Hobby, das irgendwann zu einer erfolgreichen Tätigkeit wurde. Dafür greift sie zu tief in mein Leben ein.
Die Kunst ist meine Verbindung mit der Welt. Gleichzeitig schafft sie einen Puffer. Eine Art Schutzvorrichtung.
Sie spricht und kommuniziert für mich.
In einem Gemälde kann ich Nähe zulassen, ohne alles erklären zu müssen. Ich kann eine Stimmung ausdrücken, für die Worte zu eng wären. Ich kann etwas aufnehmen, verändern und in einer anderen Form wieder nach außen geben.
Das Malen trennt mich deshalb nicht von der Welt. Es ermöglicht mir vielmehr, ihr auf meine Weise zu begegnen.
Dafür brauche ich Ruhe.
Nicht unbedingt absolute Stille. Oft begleitet mich Musik. Aber ich brauche einen inneren Raum, in dem nicht ununterbrochen etwas von mir verlangt wird. Keine ständigen Unterbrechungen. Keine Vielzahl kleiner Entscheidungen. Keine Nachrichten, die sich zwischen mich und das entstehende Bild schieben.
Von außen wirkt das vielleicht wie Rückzug.
Für mich ist es Arbeit. Und manchmal auch eine notwendige Form des Schutzes.
Wenn ich male, werden die vielen Eindrücke nicht einfach ausgeschaltet. Sie ordnen sich neu. Aus einem Blick wird eine Frauenfigur. Aus einer Erinnerung entsteht eine Farbkombination. Aus einer schwer erklärbaren Stimmung entwickelt sich eine ganze Bildwelt.
Vielleicht berührt Kunst auch deshalb Menschen: weil etwas Sichtbares auf Erfahrungen trifft, die bereits in uns leben. Diesen Gedanken vertiefe ich in meinem Artikel „Warum Kunst uns berührt“.
4. Wenn innere Bilder aus Träumen und Musik entstehen
Viele meiner Bildideen kommen aus Träumen oder Tagträumen.
Ich sehe dort nicht unbedingt ein fertiges Gemälde, das ich nur noch auf die Leinwand übertragen müsste. So einfach ist es selten.
Manchmal bleibt eine Frauengestalt zurück. Eine Bewegung. Ein Kleid. Eine Farbe neben einer anderen. Manchmal ist es nur eine Atmosphäre, die mich noch begleitet, obwohl die eigentliche Handlung des Traums längst verschwunden ist.
Auch klassische Musik öffnet diesen inneren Raum.
Während ich Musik höre, entstehen keine Illustrationen einzelner Kompositionen. Ich male nicht, was die Musik „erzählt“. Sie löst vielmehr etwas in mir. Gedanken werden durchlässiger. Bilder beginnen sich zu bewegen. Farben suchen zueinander.
Vielleicht ist Musik deshalb eine so gute Begleiterin beim Malen: Sie besitzt bereits eine emotionale Tiefe, ohne alles in konkrete Begriffe zu übersetzen.
Ähnlich möchte ich auch meine Bilder offenlassen.
Ich verstehe die inneren Szenen nicht als Botschaften, die ich entschlüsseln muss. Sie sind das Rohmaterial meiner Fantasie. Erst im Atelier beginnt die eigentliche Arbeit.
Dann muss ich entscheiden.
Welche Figur bleibt? Welche Farbe trägt die Stimmung? Was ist zu viel? Was fehlt? Wo braucht das Bild Ruhe, wo Spannung?
Ein Traum kann den ersten Funken geben. Das Gemälde entsteht trotzdem durch viele bewusste Entscheidungen.

5. Wenn Sensibilität die Kreativität nicht öffnet, sondern verschließt
Über Hochsensibilität und Kreativität wird häufig so gesprochen, als führten beide beinahe automatisch zueinander.
So erlebe ich es nicht.
Sensibilität kann die Wahrnehmung öffnen. Sie kann Farben intensiver erscheinen lassen, Musik tiefer wirken lassen und innere Bilder hervorbringen. Aber sie kann auch das Gegenteil bewirken.
Wenn zu viel gleichzeitig eindringt, wird der Zugang zur eigenen Kreativität leiser.
Um 2018 begann für mich eine schwierige Phase. Viele Dinge wurden mir zu viel. Projekte, organisatorische Aufgaben, Verantwortung, Sorgen und die ständige Aufnahme äußerer Unruhe.
Als 2020 die Pandemie begann und die Welt immer stärker von Angst und bedrückenden Nachrichten geprägt wurde, verstärkte sich dieses Gefühl.
Ich malte weiter. Aber die Freude, die meine Arbeit sonst trug, war zeitweise von Ängsten überlagert.
Das war für mich besonders beunruhigend. Die Kunst war schließlich immer der Ort gewesen, an dem aus Eindrücken etwas Neues entstand. Nun schien gerade dieser innere Raum enger zu werden.
Es gab keinen einzelnen Moment, in dem alles plötzlich wieder leicht wurde.
Keine wunderbare Erkenntnis. Keine gerade Linie aus der Dunkelheit.
Ich begann nur langsam zu verstehen, dass ich meine Offenheit nicht unbegrenzt der Außenwelt zur Verfügung stellen konnte. Wenn jeder Konflikt, jede Schlagzeile und jede Sorge ungehindert in mich eindrang, blieb kaum Raum für die Bilder, die von innen kommen wollten.
Sensibilität machte mich nicht ununterbrochen kreativ.
Manchmal musste ich mich zuerst vor zu vielen Eindrücken schützen, damit die Kreativität überhaupt wieder erscheinen konnte.

6. Wie aus dieser Zeit mein innerer Garten entstand
In dieser Phase tauchte das Bild eines inneren Gartens immer wieder in mir auf.
Zunächst war es keine konkrete Serie und auch kein fertiges Motiv. Eher die Vorstellung eines Ortes, an dem etwas wachsen durfte, ohne sofort bewertet, organisiert oder erklärt zu werden.
Ein Garten braucht Schutz, aber keine vollständige Kontrolle.
Er braucht Zeit. Licht. Aufmerksamkeit. Auch Rückzug. Manche Dinge blühen schnell, andere erst nach Jahren.
Vielleicht erkannte ich darin etwas von meinem eigenen kreativen Prozess.
Langsam kehrten die inneren Bilder zurück. Später entstanden daraus immer häufiger Frauen inmitten von Blumen, Blättern, Früchten und üppigen Farbwelten. Der innere Garten begann, in meiner Malerei sichtbar zu werden.
Ich malte ihn nicht, weil draußen plötzlich alles wieder gut war.
Vielleicht entstand er gerade deshalb, weil es nicht so war.
Schönheit wurde für mich in dieser Zeit noch wichtiger. Nicht als Verdrängung. Ein schönes Bild kann keine Krise beenden und keine schwierige Wirklichkeit ungeschehen machen.
Aber die Wirklichkeit besteht eben nicht nur aus dem, was Angst macht.
Zu ihr gehören auch Blumen, Musik, Sinnlichkeit, Farben, ein ruhiger Blick, ein besonderes Kleid und ein Moment, in dem nichts von uns verlangt wird.
Diesen Teil der Wirklichkeit wollte ich nicht verlieren.
Aus dem inneren Garten entwickelten sich mit der Zeit auch florale Motive. Blumen waren nicht länger nur eine Umgebung für meine Frauenfiguren. Sie bekamen eine eigene Präsenz. Manchmal wurden sie beinahe zu einem Gegenüber.
Mehr über diese Verbindung erzähle ich in meinem Artikel über Frauen und Blumen in der Kunst.
7. Kann man Hochsensibilität in meinen Bildern sehen?
Manchmal frage ich mich, ob meine Hochsensibilität für andere Menschen in meinen Bildern sichtbar ist.
Wahrscheinlich nicht wie ein eindeutiges Zeichen.
Es gibt keine bestimmte Farbe, Kontur oder Figur, an der man einen hochsensiblen Künstler erkennen könnte. Und ich möchte meinen Bildern auch kein psychologisches Etikett geben.
Trotzdem passen einige Eigenschaften meiner Malerei zu der Art, wie ich die Welt wahrnehme.
Mich beschäftigen kleinste Veränderungen im Gesichtsausdruck. Eine leicht verschobene Linie am Auge kann aus einer selbstbewussten Frau plötzlich eine nachdenkliche machen. Ein kaum veränderter Mund lässt sie distanzierter, verletzlicher oder geheimnisvoller erscheinen.
Deshalb sind die Frauen in meinen Bildern selten nur eines.
Sie sind nicht einfach stark oder schwach. Nicht nur sinnlich, glücklich oder melancholisch. Häufig tragen sie mehrere Empfindungen gleichzeitig in sich.
Vielleicht sehe ich die Frau deshalb als Symbol der Seele.
Auch ein Mensch besteht schließlich nicht aus einer einzigen klaren Botschaft. Wir können uns nach Nähe sehnen und trotzdem Rückzug brauchen. Wir können selbstbewusst auftreten und gleichzeitig zweifeln. Wir können Schönheit genießen, obwohl uns die Welt beunruhigt.
Diese Widersprüche interessieren mich.
Farbe spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle. Ich arbeite häufig mit intensiven Tönen, aber ihre Wirkung entsteht aus Beziehungen. Ein Rot verändert sich neben Blau. Eine warme Hautfarbe erscheint anders vor einem kühlen Hintergrund. Eine dunkle Kontur kann einer leuchtenden Fläche Ruhe geben.
Ob all das unmittelbar aus meiner Hochsensibilität entsteht, kann ich nicht beweisen.
Aber es passt zu der Art, wie ich wahrnehme und seit mehr als 25 Jahren male.
Mehr über die Bedeutung meiner Frauenfiguren erzähle ich in „Kunst, Weiblichkeit und Lebensfreude“. Den handwerklichen Aufbau meiner Porträts zeige ich im Artikel über Frauenporträts und meine Maltechnik.
8. Was manche Sammler zwischen den Linien wahrnehmen
In Gesprächen mit meinen Kunden entdecke ich erstaunlich häufig, dass viele von ihnen selbst hochsensibel sind oder sich zumindest als besonders feinfühlig beschreiben.
Eine meiner Kundinnen war sogar Professorin und forschte zu diesem Thema.
Interessant ist, dass diese Verbindung fast nie am Anfang steht.
Die Menschen wählen nicht zuerst das Etikett „Hochsensibilität“ und suchen danach ein passendes Bild. Sie fühlen sich von einem Werk angezogen. Vielleicht von einem Gesicht, einer Farbe oder einer Atmosphäre.
Erst später, manchmal in einem längeren Gespräch, wird sichtbar, dass sie etwas in den Bildern wahrnehmen, das mit ihrer eigenen Empfindsamkeit in Berührung kommt.
Sie sagen nicht: „Dieses Bild ist hochsensibel.“
Sie beschreiben eher etwas, das sie zwischen den Linien spüren. Eine besondere Feinheit. Einen Zwischenton. Eine Stimmung, die sich nicht vollständig benennen lässt.
Manche können sehr genau erklären, was sie an einem Bild berührt. Andere wissen nur, dass sie immer wieder hinschauen möchten.
Ich empfinde eine Reaktion nicht als weniger wertvoll, nur weil jemand keine kunsthistorischen Begriffe dafür findet.
Intuitive Wahrnehmung kommt häufig vor der Erklärung.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum ein Original so persönlich ausgewählt wird. Wir verstehen nicht immer sofort, warum uns ein bestimmtes Gesicht, eine Haltung oder eine Farbkombination nicht mehr loslässt.
Manchmal entsteht zuerst die Beziehung.
Die Worte kommen später.
9. Was ich heute anders mache
Seit ich meine Hochsensibilität besser verstehe, gehe ich anders mit ihr um.
Nicht perfekt. Und auch nicht immer konsequent.
Aber ich akzeptiere, dass es Zeiten gibt, in denen ich Ruhe und Rückzug brauche. Ich versuche nicht mehr in gleicher Weise, dieses Bedürfnis vor mir selbst zu rechtfertigen.
Ich kann auch anderen besser erklären, warum mir bestimmte Situationen zu viel werden oder weshalb ich nach intensiven Phasen Zeit für mich brauche.
Vor allem wähle ich bewusster aus, was ich in meinen inneren Raum hineinlasse.
Das bedeutet nicht, die Augen vor der Welt zu verschließen. Ich möchte informiert bleiben und Verantwortung nicht mit Rückzug verwechseln. Aber ich muss nicht jede Nachricht zehnmal lesen. Ich muss nicht jede Unruhe in mein Atelier mitnehmen.
Diese Grenze ist nicht immer leicht.
Die Durchlässigkeit bleibt.
Manchmal ist sie belastend. Manchmal ist sie ein Segen. Denn dieselbe Offenheit, die mich verletzlicher gegenüber negativen Einflüssen macht, lässt auch Musik, Farbe, Schönheit und menschliche Zwischentöne besonders tief in mich hinein.
Vielleicht besteht die Aufgabe nicht darin, diese Durchlässigkeit loszuwerden.
Vielleicht geht es darum, bewusster mit ihr zu leben.
10. Sensibilität allein macht noch keine Kunst
So wichtig Hochsensibilität für meine Wahrnehmung sein mag: Sie erklärt nicht meine gesamte Arbeit.
Sensibilität allein macht noch keinen Künstler.
Träume ersetzen keine Komposition. Intuition ersetzt keine Entscheidung. Ein starkes Gefühl löst noch nicht die Frage, welche Farbe, Linie oder Proportion ein Bild tatsächlich braucht.
Meine Gemälde entstehen in einem langen handwerklichen Prozess.
Ich korrigiere. Übermale. Verändere Farbtöne. Verschiebe Linien. Manchmal beschäftige ich mich lange mit einem Gesicht, obwohl für einen anderen Menschen kaum sichtbar wäre, was noch nicht stimmt.
Nach mehr als 25 Jahren im Atelier vertraue ich meiner Wahrnehmung. Aber ich weiß auch, wie viel Erfahrung nötig war, damit aus einer Empfindung ein tragfähiges Bild werden kann.
Vielleicht öffnet Sensibilität eine Tür.
Durch diese Tür muss man trotzdem selbst gehen – mit Geduld, Disziplin und sehr viel Arbeit.
Gerade diese Verbindung interessiert mich: das schwer Erklärbare und das ganz Konkrete. Ein inneres Bild und eine tatsächliche Leinwand. Ein Gefühl und eine bewusste Kontur. Ein Traum und die Frage, ob die Komposition am Ende wirklich trägt.
Erst wenn beides zusammenkommt, entsteht für mich Kunst.
Hochsensibilität ist für mich weder Last noch nur Geschenk
Heute sehe ich meine Hochsensibilität weder ausschließlich als Belastung noch ausschließlich als besondere Gabe.
Sie macht mich durchlässiger für Schönheit und zugleich verletzlicher gegenüber Unruhe.
Beides gehört zusammen.
Vielleicht spüren manche Menschen genau diese Spannung in meinen Bildern. Die Frauen darin sind selten nur stark oder nur verletzlich, nur lebensfroh oder nur nachdenklich. Sie tragen mehrere Empfindungen gleichzeitig in sich.
Ich habe ihnen diese Vielschichtigkeit gegeben.
Was andere darin erkennen, gehört irgendwann ihnen selbst.
Wenn du meine Bildwelt kennenlernen möchtest, entdecke meine aktuell verfügbaren Originalgemälde. Vielleicht begegnet dir dort ein Werk, in dem du etwas wahrnimmst, das sich nicht sofort in Worte fassen lässt.
➤ Meine Videoreihe über Hochsensibilität:
Häufige Fragen zu Hochsensibilität und Kunst
Ist Hochsensibilität eine Krankheit?
Nein. Hochsensibilität wird in der Forschung als unterschiedlich stark ausgeprägte sensorische Verarbeitungssensitivität beschrieben. Sie ist keine medizinische Diagnose. Einzelne Merkmale können sich allerdings mit anderen psychischen oder neurologischen Themen überschneiden.
Sind Künstler besonders häufig hochsensibel?
Viele Künstler beschreiben eine intensive Wahrnehmung von Stimmungen, Farben, Geräuschen oder zwischenmenschlichen Nuancen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Künstler grundsätzlich hochsensibel sind.
Sind hochsensible Menschen kreativer?
Neuere Forschung findet Zusammenhänge zwischen sensorischer Verarbeitungssensitivität, ästhetischer Sensibilität und einzelnen Aspekten von Kreativität. Hochsensibilität allein macht einen Menschen jedoch nicht kreativ und ersetzt weder handwerkliche Fähigkeiten noch Erfahrung.
Wie beeinflusst Hochsensibilität die künstlerische Arbeit?
Eine intensive Wahrnehmung kann das Empfinden für Farben, Musik, Atmosphäre und kleine Details verstärken. Sie kann innere Bilder und kreative Ideen unterstützen. Zu viele gleichzeitige Eindrücke können Konzentration und Kreativität aber auch blockieren.
Welche Kunst spricht hochsensible Menschen an?
Dafür gibt es keine allgemeingültige Stilrichtung. Manche Menschen suchen in Kunst Ruhe und Zurückhaltung. Andere fühlen sich gerade von intensiven Farben, offenen Gesichtsausdrücken oder vielschichtigen Bildwelten angezogen. Entscheidend ist die persönliche Reaktion auf ein Werk.





