Als ich die neuen Fotos der Bar26 erhielt, erkannte ich meine Frauen sofort. The Green Muse war noch da, ebenso The Berlin Sisters und die anderen Bilder der Serie. Doch um sie herum sah alles anders aus.
Im Jahr 2006 hatte ich sieben großformatige Frauenbilder für die Bar und Lounge des damaligen Maritim Hotels Berlin geschaffen. Sie hingen zwischen dunklem Holz, tiefroten Polstern und schweren Vorhängen. Heute wird das Haus als JW Marriott Hotel Berlin geführt. Die Bar heißt Bar26, die Sessel sind grün, die Sitzbänke leuchten gelb – und alle sieben Originale befinden sich noch immer dort.
Fast zwanzig Jahre sind vergangen. Das Hotel trägt einen anderen Namen, das Interior wurde verändert, die Bilder aber funktionieren weiterhin. Vielleicht sogar auf eine neue Weise.
Genau das macht dieses Projekt für mich heute so interessant. Die Werke wurden sehr genau für einen bestimmten Raum entwickelt. Trotzdem waren sie nie vollständig von dessen damaligen Farben abhängig. Sie gaben der Bar eine eigene Bildwelt – und diese Bildwelt hat den Wandel überdauert.
Das Projekt auf einen Blick
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Ursprünglicher Auftraggeber: Maritim Hotel Berlin
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Entstehung und Installation: 2006
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Heutiger Standort: Bar26 im JW Marriott Hotel Berlin
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Umfang: sieben individuell entwickelte Originalgemälde
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Formate: Großformate ab 100 × 80 cm
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Technik: Acrylmalerei auf Leinwand
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Entwicklungszeit: etwa sechs Monate
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Inspiration: Art déco und die Mode der 1920er- und 1930er-Jahre
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Status: Alle sieben Werke befinden sich weiterhin in der Bar.

1. Wie der Auftrag begann
Ein Manager des Maritim Hotels, der meine Arbeit bereits kannte, sprach mich damals an. Die Bar und Lounge waren neu im Art-déco-Stil eingerichtet worden. Er fragte mich, ob ich dafür ein künstlerisches Konzept entwickeln könnte.
Es ging nicht darum, sieben bereits vorhandene Bilder auszuwählen und auf freie Wände zu verteilen. Die Werke sollten eigens für diesen Ort entstehen und sich wie eine zusammengehörende Gesellschaft durch die Bar ziehen.
Bevor ich mit den ersten Entwürfen begann, besichtigte ich das Hotel und fotografierte die Räume. Ich wollte verstehen, wie das Licht auf den dunklen Holzflächen wirkte, welche Farben die Polster und Vorhänge hatten und aus welchen Richtungen die Gäste später auf die Bilder schauen würden.
Der Raum war elegant, dunkel und ein wenig theatralisch. Genau daraus entstand die Idee einer warmen, goldenen Atmosphäre, die an das Berliner Nachtleben der Goldenen Zwanziger erinnert.

2. Mode und Eleganz der 1920er- und 1930er-Jahre
Ich wollte keine historischen Szenen kopieren. Mich interessierte das Lebensgefühl dieser Zeit: die neue Selbstständigkeit der Frauen, die Lust an Mode und Inszenierung, das Nachtleben – und natürlich diese besondere Mischung aus Eleganz und leichter Verruchtheit.
Damals ging ich noch ganz selbstverständlich in die Bibliothek, wenn ich mich intensiv in ein Thema einarbeiten wollte. Ich lieh mir Bücher über die Mode der 1920er- und 1930er-Jahre aus und studierte historische Modezeitschriften.
Dabei achtete ich auf viele Einzelheiten: die Wasserwellen im Haar, lange Perlenketten, Boas, Armreifen, Pelzbesätze, schmale Kleider und auffällige Kopfbedeckungen. Ich wollte, dass die Kleidung meiner Frauen glaubwürdig von dieser Epoche erzählt, ohne dass die Bilder wie historische Illustrationen wirken.
Auch Cocktails und Kaffee gehörten zu den Motiven. Meine Damen sollten aussehen, als säßen sie schon lange in dieser Bar. Vielleicht warten sie auf jemanden. Vielleicht führen sie gerade ein Gespräch, das wir nicht hören können. Jede bekam eine eigene Haltung und einen eigenen Ausdruck.

3. Von den ersten Skizzen zur siebenteiligen Serie
Für alle sieben Motive fertigte ich zunächst Skizzen an. Diese Entwürfe wurden mit der damaligen Inhaberin abgestimmt. Erst danach begann die Arbeit auf Leinwand.
Über ungefähr ein halbes Jahr entwickelte sich die vollständige Serie. Alle Bilder entstanden in Acryl auf Leinwand und in Großformaten ab 100 × 80 cm. Diese Größe war wichtig. Die Werke mussten sich gegen die dunkle Architektur, die üppigen Stoffe und die Weite der Bar behaupten können.
Edles Grün spielte innerhalb der Serie eine besondere Rolle. Es setzte einen ruhigen, kostbaren Akzent zu den Rot-, Gold- und Orangetönen der Einrichtung. Andere Farben, Stoffe und Accessoires tauchten in mehreren Bildern wieder auf. So erhielt jedes Werk seine eigene Persönlichkeit, blieb aber sichtbar Teil derselben Welt.
Auch die Blickrichtungen der Figuren waren nicht nebensächlich. Einige Frauen wenden sich den Gästen direkt zu. Andere schauen zur Seite oder scheinen ganz in ihren Gedanken zu sein. Dadurch entstand zwischen den Bildern ein stilles Spiel aus Nähe, Beobachtung und Distanz.
Nach der Fertigstellung wurden die Werke an das Hotel ausgeliefert. Die Hängung übernahm das Haus.
4. Die sieben Frauen der Bar
Die Serie besteht aus sieben Werken:
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Midnight Cocktail
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Midnight Rose
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Emerald Night
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Midnight Elegance
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Midnight Nocturne
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The Berlin Sisters
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The Green Muse
Jede dieser Frauen besitzt ihre eigene kleine Geschichte. Manche wirken offen und gesellig, andere zurückhaltend oder beinahe unnahbar. Gemeinsam erinnern sie an Gäste eines eleganten Berliner Nachtlokals – nicht an dekorative Figuren, die nur eine Wand füllen sollen.
Diese Verbindung aus Weiblichkeit, Mode, Genuss und Art-déco-Anklängen begleitet meine Malerei bis heute. Später entwickelte sich daraus meine eigene Bildwelt des Feminine Glamourism.

5. Die erste Inszenierung im Maritim Hotel Berlin
In der ursprünglichen Einrichtung waren die Bilder von dunklem Holz, Bordeauxrot und warmem Licht umgeben. Die Rot-, Orange-, Grün- und Goldtöne der Gemälde nahmen die Farbwelt des Raumes auf, ohne darin zu verschwinden.
Die Frauen wirkten fast wie zusätzliche Gäste. Wer durch die Bar ging, begegnete ihnen an verschiedenen Stellen: in einer Sitznische, hinter dem Flügel, über den langen roten Polstern oder zwischen Spiegeln und Leuchten.
Deshalb funktionierte die Serie nicht wie eine klassische Galeriehängung. Die Bilder bildeten eher eine Folge von Szenen. Erst beim Rundgang durch den Raum erschloss sich die ganze Gesellschaft.
Genau darin liegt eine besondere Aufgabe von Kunst für Hotels und gastronomische Räume. Sie wird selten lange und frontal betrachtet. Man sieht sie im Vorübergehen, aus einem Sessel, im Spiegel oder hinter einem Gesprächspartner. Trotzdem – oder gerade deshalb – prägt sie die Erinnerung an einen Ort.

6. Ein neues Interior – und dieselben Originale
Viele Jahre später wurde aus dem früheren Maritim Hotel das heutige JW Marriott Hotel Berlin. Auch die Bar veränderte sich. Aus der dunkelroten Einrichtung wurde ein frischerer Raum mit gelben Sitzbänken und grünen Sesseln.
Die sieben Bilder wurden übernommen und in das neue Interior integriert.
Als mir die Marketingabteilung des JW Marriott die aktuellen Fotografien zur Verfügung stellte, war ich wirklich berührt. An einem solchen Projekt arbeitet man über Monate sehr konzentriert. Danach werden die Bilder ausgeliefert und beginnen ihr eigenes Leben. Irgendwann verliert man sie ein wenig aus den Augen.
Nun sah ich sie nach fast zwanzig Jahren wieder. Am gleichen Ort, aber in einer anderen Zeit.
Interessanterweise bringt die neue Einrichtung andere Seiten der Gemälde hervor. Früher verbanden sich ihre Rot- und Orangetöne unmittelbar mit den dunklen Polstern und Vorhängen. Heute antwortet das Grün der Kleider auf die neuen Sessel. Goldene und warme Farbtöne finden sich in den gelben Sitzbänken wieder.
Die Bilder haben sich nicht verändert. Der Raum liest sie nur anders.
Für mich ist das die wichtigste Qualität dieses Kunstprojekts. Die Werke wurden auf einen konkreten Ort abgestimmt, waren aber nie an eine einzige Möbelfarbe gebunden. Sie konnten Teil des neuen Interiors werden, ohne ihre eigene Präsenz zu verlieren.

7. Als meine Frauen im Fernsehen auftauchten
Die Bar war schon immer eine besondere Filmkulisse. Im Laufe der Jahre fanden dort verschiedene Film- und Fernsehaufnahmen statt. Unter anderem waren der Raum und meine Gemälde in einer ARD-Produktion zu sehen.
Meine Frauen haben also, wenn man so will, ein wenig mitgespielt. Sie bekamen keine Rolle und standen nicht im Abspann. Aber sie waren sichtbar: hinter den Darstellern, zwischen den Gästen oder am Rand einer Szene.
Das amüsiert mich bis heute. Es zeigt aber auch, wie sehr Kunst Teil eines Ortes werden kann. Die Bilder erscheinen auf Hotelfotos, in den Aufnahmen der Gäste und manchmal sogar im Fernsehen. Dadurch tragen sie zur Wiedererkennbarkeit des Raumes bei.

8. Was dieses Projekt heute über Hotelkunst erzählt
Die Geschichte der sieben Frauen ist für mich ein sehr konkretes Beispiel dafür, was ein durchdachtes Kunstkonzept leisten kann:
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Eine zusammenhängende Werkserie kann einem großen Raum eine erkennbare Identität geben.
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Die Kunst kann Farben und Materialien eines Interiors aufnehmen, ohne davon abhängig zu werden.
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Großformatige Originale behaupten sich auch in stark gestalteten, lebendigen Räumen.
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Gute Werke müssen bei einer späteren Neugestaltung nicht automatisch ersetzt werden.
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Ein individuelles Kunstkonzept kann unterschiedliche Phasen eines Hauses miteinander verbinden.
Gerade der letzte Punkt war 2006 noch kein Gedanke, der bei der Entwicklung eine Rolle spielte. Ich malte für die damalige Bar. Dass alle sieben Bilder fast zwanzig Jahre später noch dort hängen und mit einem neuen Interior weiterleben, konnte niemand planen.
Heute ist genau das der stärkste Teil ihrer Geschichte.
9. Wie ich heute Kunstkonzepte für Hotels und Interiors entwickle
Auch heute beginne ich ein neues Interiorprojekt mit dem Ort. Ich möchte wissen, wie er genutzt wird, wer sich dort aufhält und welche Stimmung entstehen soll. Fotografien, Grundrisse, Wandmaße sowie Angaben zu Materialien, Farben und Licht bilden dafür eine wichtige Grundlage.
Manchmal braucht ein Raum ein einzelnes, sehr präsentes Großformat. Bei umfangreicheren Projekten kann eine zusammenhängende Werkserie verschiedene Bereiche miteinander verbinden. Dafür entwickle ich Motive, Formate und Farbwelten individuell – in Abstimmung mit dem Hotel, dem Betreiber, dem Architekturbüro oder dem verantwortlichen Interior Designer.
Neben meinen charakteristischen Frauenbildern arbeite ich heute auch mit floralen Motiven, strukturierten Oberflächen und metallischen Akzenten. So können expressive, elegante oder ruhigere Bildwelten entstehen, je nachdem, was der Raum verlangt.
Bei Bedarf zeigen digitale Raumansichten bereits vorab, wie die geplanten Werke später im Interior wirken können.
Mehr über meine individuellen Kunstkonzepte für Hotels und die Möglichkeiten einer persönlichen Auftragsarbeit erfahren Sie in den verlinkten Beiträgen.
10. Häufige Fragen zu Kunst für Hotelbars und Lounges
Wie entsteht ein individuelles Kunstkonzept für eine Hotelbar?
Am Anfang stehen der Raum und seine Nutzung. Fotografien, Grundrisse, Wandmaße sowie die gewünschte Farb- und Materialwelt bilden die Grundlage. Daraus entwickle ich passende Motive und Formate. Je nach Projekt kann ein einzelnes Großformat oder eine vollständige Werkserie entstehen.
Muss die Kunst genau zu den aktuellen Möbelfarben passen?
Nein. Die Farbwelt des Interiors sollte berücksichtigt werden, aber die Werke brauchen genügend Eigenständigkeit. Das Berliner Hotelprojekt zeigt, dass eine starke Bildserie auch nach einer umfassenden Neugestaltung des Raumes funktionieren kann.
Sind Sonderformate und zusammenhängende Werkserien möglich?
Ja. Für Hotels, Restaurants, Bars und Lounges entwickle ich sowohl einzelne großformatige Originale als auch aufeinander abgestimmte Serien für mehrere Wände oder Bereiche. Formate, Motive und Farben werden passend zur Architektur und zum jeweiligen Projekt konzipiert.
Welche Informationen werden für eine erste Projektbesprechung benötigt?
Hilfreich sind Fotografien oder Visualisierungen des Raumes, ungefähre Wandmaße, Grundrisse, Angaben zu Farben und Materialien sowie der geplante Zeitrahmen. Falls bereits ein Budgetrahmen besteht, kann das Konzept von Anfang an realistisch darauf abgestimmt werden.
Planen Sie ein Hotel- oder Interiorprojekt?
Sie möchten einer Hotelbar, einer Lounge, einem Restaurant oder einem anderen repräsentativen Bereich eine eigene künstlerische Handschrift geben?
Schreiben Sie mir gerne mit einigen Informationen zu Ihrem Projekt. In einem ersten Gespräch klären wir, welche Bildwelt, Formate und Art der Zusammenarbeit zu Ihren Räumen passen. Möglich sind einzelne großformatige Originale ebenso wie individuell entwickelte Werkserien für mehrere Bereiche: info@ekaterina-more.com
Ich freue mich darauf, mehr über Ihren Ort und seine Geschichte zu erfahren.
Fotocredit der aktuellen Aufnahmen aus der Bar26: © Florian Kroll / JW Marriott Hotel Berlin.



