Vielleicht begann meine Beziehung zur Aktmalerei viel früher, als mir lange bewusst war. Nicht vor einem berühmten Gemälde, sondern in der russischen Banja meiner Kindheit.
Dort sah ich Frauen unterschiedlichen Alters und mit ganz verschiedenen Körpern. Nacktheit hatte nichts Spektakuläres. Niemand inszenierte sich, niemand musste einem bestimmten Ideal entsprechen. Der Körper war einfach da und gehörte selbstverständlich zum Menschen.
Später begegnete mir der weibliche Akt in einer anderen Welt: in der Eremitage und im Russischen Museum in St. Petersburg, in Gemälden und Skulpturen aus ganz unterschiedlichen Epochen. Irgendwann wurde er dann auch Teil meiner eigenen Malerei.
Aktmalerei bezeichnet die künstlerische Darstellung des unbekleideten oder teilweise unbekleideten menschlichen Körpers. In meiner eigenen Aktmalerei geht es ausschließlich um Frauen, häufig um weibliche Teilakte. Mich interessiert dabei nicht die Nacktheit um ihrer selbst willen, sondern das, was ein Körper ausdrücken kann: Sinnlichkeit, Stärke, Ruhe, Verletzlichkeit oder eine Form weiblicher Präsenz, die über eine konkrete Person hinausgeht.
Vielleicht liegt genau dort für mich die eigentliche Spannung dieses Themas.

1. Was ist Aktmalerei?
Der menschliche Körper gehört zu den ältesten Motiven der Kunst. Bei der Aktmalerei wird der unbekleidete oder teilweise unbekleidete Körper zum Gegenstand eines Gemäldes. Das kann sehr realistisch geschehen, stark abstrahiert, idealisiert oder nur noch über Linien, Flächen und Körperhaltungen angedeutet werden.
Ein Frauenakt bezeichnet entsprechend die künstlerische Darstellung des weiblichen Körpers. Beim Teilakt bleibt ein Teil des Körpers bekleidet oder verdeckt.
Gerade darin liegt für mich oft ein besonderer Reiz. Es muss nicht alles sichtbar sein, damit ein Bild sinnlich wirkt. Eine Schulter, ein Rücken, die Bewegung einer Hüfte oder ein Stück Haut neben Stoff können manchmal viel stärker wirken als vollständige Nacktheit.
Aktmalerei ist deshalb für mich auch keine Stilrichtung. Ein Frauenakt kann klassisch, expressionistisch, abstrakt oder sehr zeitgenössisch sein.
Entscheidend ist nicht nur, was gezeigt wird, sondern wie ein Künstler darauf blickt.

2. Warum der weibliche Akt die Kunst seit Jahrhunderten begleitet
Der weibliche Körper taucht seit der Antike immer wieder in der Kunst auf: als Göttin, Venus, Allegorie, mythologische Figur, Modell oder einfach als menschlicher Körper.
Was mich daran besonders interessiert: Der Körper selbst verändert sich über die Jahrhunderte viel weniger als unser Blick auf ihn.
Was in einer Epoche als Ideal galt, konnte später als zu üppig, zu schmal, zu direkt oder zu freizügig empfunden werden. Auch Nacktheit trägt je nach Zeit und Zusammenhang ganz unterschiedliche Bedeutungen. Sie kann Natürlichkeit ausdrücken, Erotik, Verletzlichkeit, Stärke, Fruchtbarkeit oder Provokation.
Vielleicht ist gerade deshalb der Frauenakt nie wirklich aus der Kunst verschwunden.
Der Körper ist uns vertraut, gleichzeitig laden wir ihn ständig mit Bedeutungen auf.
In meinen eigenen Bildern interessiert mich deshalb selten nur die konkrete Frau. Häufig wird die weibliche Figur zu einer Symbolfigur. Sie kann für Weiblichkeit, Sinnlichkeit, Lebensenergie oder eine innere Kraft stehen, die sich nicht eindeutig benennen lässt.
Manchmal erinnert sie mich eher an eine moderne Göttin als an ein Porträt.

Zinaida Serebriakova: eine Darstellung der russischen Banja, Quelle: Wikipedia
3. Die Banja und mein Blick auf Weiblichkeit
Meine Kindheit hat meinen Blick auf den weiblichen Körper wahrscheinlich stärker geprägt, als mir lange bewusst war.
In der russischen Banja war Nacktheit selbstverständlich. Ich sah Frauen unterschiedlichen Alters und mit sehr verschiedenen Körpern – schlanke und kräftigere, jüngere und ältere. Niemand war inszeniert, niemand musste einem bestimmten Ideal entsprechen.
Als Kind denkt man darüber kaum nach. Der Körper gehört einfach zum Leben.
Später, noch bevor ich selbst zu malen begann, begegnete mir der weibliche Körper in den Museen von St. Petersburg wieder – diesmal als Kunst. In der Eremitage und im Russischen Museum sah ich Gemälde und Skulpturen, in denen Körper idealisiert, verändert oder zu Göttinnen und Symbolfiguren wurden.
Diese beiden Erfahrungen gehören für mich heute zusammen: die Selbstverständlichkeit des realen Körpers und die Freiheit der Kunst, daraus etwas Neues entstehen zu lassen.
Vielleicht ist das ein Grund, warum mich auch in meiner eigenen Aktmalerei nie nur die Nacktheit interessiert hat. Ich sehe Form, Haltung und Ausdruck – und die Möglichkeit, aus einer weiblichen Figur etwas zu machen, das über eine konkrete Person hinausgeht.
In einigen meiner früheren Arbeiten entstanden deshalb auch bewusst weichere, vollere Frauenkörper. Für mich hatten sie etwas Erdiges und erinnerten an Fruchtbarkeit, Wärme und Mutter Erde.
4. Wann wird Nacktheit zur Kunst – und wann wird sie sinnlich?
Für mich entscheidet nicht die Menge sichtbarer Haut darüber, ob ein Bild Kunst ist. Entscheidend sind der Blick des Künstlers, die Bildidee, die Komposition und die Rolle, die der Körper innerhalb des Werkes bekommt.
Genauso wenig glaube ich, dass Kunst jede erotische Wirkung vermeiden muss.
Sinnlichkeit und Kunst schließen sich für mich nicht aus.
Ein weiblicher Körper kann sinnlich wirken, ohne auf Sexualität reduziert zu werden. Eine Rückenlinie, ein Blick über die Schulter oder das Zusammenspiel von Haut und Stoff können eine starke erotische Spannung erzeugen und trotzdem elegant bleiben.
Gerade dieser Zwischenraum interessiert mich.
Sinnlichkeit ist für mich ohnehin mehr als Erotik. Sie beginnt bei Wahrnehmung: bei der Wärme einer Farbe, der Oberfläche eines Gemäldes, dem Licht auf einer Schulter oder dem Rhythmus einer Körperlinie.
Der Körper wird in meinen Bildern eher zu einer Sprache. Über Haltung, Form und Sinnlichkeit kann etwas spürbar werden, ohne dass das Bild eine eindeutige Geschichte erzählt.
Vielleicht liegt darin auch die Stärke des Teilakts. Er zeigt genug, um Nähe und Sinnlichkeit entstehen zu lassen, aber nicht so viel, dass alles bereits festgelegt ist.

5. Playboy – aus Playmates wurden moderne Liebesgöttinnen
2014 entstand eines meiner ungewöhnlichsten Kunstprojekte: Ich malte Playmates als großformatige Frauenfiguren.
Mich reizte daran gerade die Spannung.
Playboy-Fotografie arbeitet natürlich mit Erotik und mit realen Frauen vor der Kamera. Meine Aufgabe als Malerin sah ich aber nicht darin, diese Fotos einfach in Farbe zu übertragen.
Ich wollte daraus etwas Eigenes entwickeln. So entstanden meine modernen Liebesgöttinnen.
Das Wort Göttin war dabei nicht zufällig gewählt. Weibliche Körper wurden schon in sehr alten Kulturen mit Liebe, Fruchtbarkeit, Schönheit und Lebenskraft verbunden. Mich interessierte, was passiert, wenn man diese lange Symbolgeschichte mit einer sehr modernen Vorstellung weiblicher Erotik verbindet.
Aus einem Foto wurde deshalb kein gemaltes Foto.
Farben veränderten sich, Formen wurden reduziert oder betont, Proportionen freier. Während des Malens entfernte sich die Figur zunehmend von der konkreten Vorlage und wurde Teil meiner eigenen Bildwelt.
Aus der Frau entstand eine Symbolfigur.
Genau diese Transformation interessiert mich bis heute.
Ein Foto hält einen Moment fest. Malerei kann denselben Ausgangspunkt nehmen und daraus etwas vollkommen anderes entwickeln.
Das Playboy-Projekt war für mich auch deshalb wichtig, weil ich dabei Sinnlichkeit sehr direkt zeigen konnte, ohne dass die Bilder nur von Erotik lebten. Die Frauen sollten präsent, selbstbewusst und fast archetypisch wirken.
Später führte diese Verbindung noch einmal weiter: 2022 erschien eines meiner Werke auf einem Playboy-Cover. Einige Jahre später führte diese Zusammenarbeit zu einem weiteren besonderen Projekt: Für das 50-jährige Jubiläum des deutschen Playboy gestaltete ich ein eigenes Cover. Mehr dazu findest du in „Mein Playboy-Cover – Kunst, Erotik und moderne Weiblichkeit“.
Für mich ist daran nicht nur der bekannte Name interessant. Viel wichtiger ist, dass meine Bildsprache in einem völlig anderen Kontext bestehen konnte und trotzdem meine blieb.
Dieser Gedanke zieht sich inzwischen durch viele meiner Frauenbilder.
Auch wenn am Anfang eine konkrete Pose oder ein realer Körper steht, interessiert mich irgendwann weniger, wer diese Frau ist, sondern stärker, wofür sie stehen kann.
Manchmal wird daraus eine moderne Göttin. Nicht im religiösen Sinn, sondern als Symbol für bestimmte Seiten von Weiblichkeit: Sinnlichkeit, Stärke, Ruhe, Selbstverständlichkeit oder Lebensenergie.
Wie diese Serie entstand und warum ich die Playmates als moderne Liebesgöttinnen interpretiert habe, erzähle ich ausführlicher in meinem Artikel über mein Playboy-Kunstprojekt „Evas Töchter“.

6. Wie Aktmalerei heute in meiner Kunst erscheint
Aktmalerei ist heute nur ein Teil meiner Frauenbilder.
Heute erscheint Aktmalerei in meinen Frauenbildern sehr unterschiedlich. Manche Werke zeigen den Körper offen, andere nur in Andeutungen – etwa einen Rücken, eine Schulter oder eine Brustlinie.
Gerade solche Teilakte empfinde ich oft als sehr elegant.
Sie lassen mir gleichzeitig viel Freiheit in der Komposition. Stoffe, Haare, florale Formen oder große Farbflächen können sich mit dem Körper verbinden, ohne dass das Bild allein von Nacktheit getragen wird.
Bei manchen Arbeiten verschwindet die Grenze fast: Wo hört der Körper auf, wo beginnt die Komposition?
Das finde ich spannender als eine möglichst vollständige Darstellung.
Denn am Ende soll das Bild als Ganzes funktionieren.

7. Wie ein Frauenakt im Raum wirkt
Ein weiblicher Akt braucht für mich keinen stereotyp „sinnlichen“ Raum.
Er kann in einem modernen Wohnzimmer genauso selbstverständlich wirken wie in einem Schlafzimmer, einer privaten Lounge oder einem eleganten Ankleidebereich.
Gerade in klaren Interieurs kann die menschliche Figur eine interessante Spannung erzeugen. Sie bringt etwas Organisches in einen Raum, der vielleicht stark von Architektur, Materialien und geraden Linien bestimmt ist.
Teilakte können dabei zurückhaltender wirken als vollständig nackte Figuren. Oft nimmt man ihre Sinnlichkeit erst auf den zweiten Blick wahr.
Auch in Spa-Bereichen oder anderen hochwertigen Interiors kann diese Art von Kunst funktionieren, wenn eine Atmosphäre entstehen soll, die sinnlich und elegant sein darf, ohne dekorativ beliebig zu wirken.
Bei einem Original kommt noch etwas hinzu, das auf einem Bildschirm kaum vollständig sichtbar wird: die Oberfläche des Gemäldes, Farbschichten, Übergänge und die tatsächliche Größe des Körpers im Raum.
Trotzdem würde ich einen Frauenakt nie nur danach auswählen, ob seine Farben zum Sofa oder zur Wand passen.
Die wichtigere Frage ist, wie sich das Bild anfühlt, wenn man täglich damit lebt.

8. Persönlicher Frauenakt als Auftragsarbeit
Ich habe bereits vor vielen Jahren individuelle Frauenakte als Auftragsarbeiten gemalt. Auch heute sind solche Arbeiten grundsätzlich möglich.
Dabei geht es mir nicht darum, ein Foto möglichst exakt auf Leinwand zu übertragen. Eine persönliche Vorlage oder Pose kann der Ausgangspunkt sein, doch während des Malens entwickelt sich daraus ein neues Bild. Proportionen dürfen sich verändern, Farben lösen sich von der Vorlage, und die Figur wird Teil meiner eigenen Formensprache.
Bei Akt-Auftragsarbeiten male ich ausschließlich Frauen. Wichtig ist mir, dass dabei etwas Persönliches erhalten bleibt, ohne dass das Werk wie eine gemalte Fotografie wirkt.
Am Ende soll ein individuelles Original entstehen – mit Bezug zur Frau, für die es geschaffen wurde, und gleichzeitig mit genügend künstlerischer Freiheit.
Wenn du wissen möchtest, wie aus einer persönlichen Idee ein individuelles Original entsteht, findest du hier mehr über meine Auftragsarbeiten und persönlichen Frauenbilder.
9. Warum mich der weibliche Körper bis heute beschäftigt
Mich haben immer wieder Bilder und Skulpturen beeindruckt, in denen der weibliche Körper mehr ist als nur ein Körper. Besonders die Klarheit und Schönheit antiker griechischer Skulpturen, aber auch elegante Frauenakte aus späteren Jahrhunderten haben meinen eigenen Blick geprägt.
Der weibliche Körper begleitet unsere Kulturgeschichte seit sehr langer Zeit – als Göttin und Venus, aber auch in Figuren wie Eva oder später Lilith, die ganz unterschiedliche Vorstellungen von Weiblichkeit, Verführung, Freiheit und Stärke verkörpern.
Genau das interessiert mich bis heute.
Wenn ich einen Frauenakt male, geht es mir deshalb nicht nur um Nacktheit oder um eine schöne Körperlinie. Mich fasziniert, dass eine weibliche Figur gleichzeitig sinnlich und symbolisch wirken kann. Sie kann etwas sehr Gegenwärtiges haben und trotzdem an Bilder erinnern, die unsere Kultur seit Jahrhunderten begleiten.
Manchmal wird daraus für mich eine moderne Göttin. Nicht als unerreichbares Ideal, sondern als Symbol für Weiblichkeit, Lebenskraft, Sinnlichkeit oder innere Stärke.
Vielleicht male ich deshalb Frauenakte bis heute. Der weibliche Körper eröffnet eine Bildsprache, in der sich Schönheit und Symbolik miteinander verbinden – und genau diese Verbindung interessiert mich immer wieder neu.
Warum Frauen in meiner Kunst immer wieder als Symbolfiguren erscheinen und welche Bedeutung Weiblichkeit für meine Arbeit hat, vertiefe ich in meinem Artikel „Frauenbilder in der Kunst – Symbolik, Archetypen und Weiblichkeit“.
Häufige Fragen zur Aktmalerei
Was versteht man unter Aktmalerei?
Aktmalerei bezeichnet die künstlerische Darstellung des unbekleideten oder teilweise unbekleideten menschlichen Körpers in einem Gemälde. Sie kann realistisch, abstrahiert, expressionistisch oder in einer ganz eigenen zeitgenössischen Bildsprache ausgeführt werden.
Was ist ein Frauenakt?
Als Frauenakt bezeichnet man die künstlerische Darstellung des nackten oder teilweise unbekleideten weiblichen Körpers. Dabei muss nicht zwingend eine konkrete Person porträtiert werden. Der weibliche Körper kann ebenso als Symbolfigur oder Teil einer größeren Bildidee erscheinen.
Was ist ein Teilakt?
Bei einem Teilakt ist der Körper nur teilweise unbekleidet oder wird durch Stoff, Körperhaltung, Haare oder andere Bildelemente teilweise verdeckt. Gerade dadurch kann eine zurückhaltende und zugleich sehr sinnliche Wirkung entstehen.
Was ist der Unterschied zwischen Aktmalerei und erotischer Kunst?
Die Begriffe können sich überschneiden. Ein Aktgemälde darf durchaus erotisch oder sinnlich wirken. Aktmalerei bezeichnet zunächst die künstlerische Beschäftigung mit dem unbekleideten Körper, während bei erotischer Kunst die erotische Wirkung stärker im Mittelpunkt stehen kann. Für mich ist entscheidend, dass der Körper Teil einer größeren künstlerischen Aussage bleibt.
Kann ein Frauenakt als Original oder Auftragsarbeit entstehen?
Ja. In meiner eigenen Arbeit entstehen weibliche Akte und Teilakte als Originalgemälde; auch individuelle Auftragsarbeiten sind möglich. Dabei geht es nicht um die fotografisch genaue Übertragung einer Vorlage, sondern um ein eigenständiges Werk in meiner Bildsprache.
Sinnliche Frauenbilder als Originale
In meinen Frauenbildern kann der Körper offen sichtbar sein oder nur angedeutet werden. Entscheidend ist für mich nicht die Nacktheit selbst, sondern die Stimmung, die daraus entsteht – sinnlich, elegant und immer Teil meiner eigenen Bildsprache.
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