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"Ice and fire": „Wenn dein Herz kalt ist, kann ich dich auch nicht wärmen.“ (Inschrift über einem Kamin)

„Wie bitte??!“

Sie fragte es leise und prononciert, während sie sich blitzartig in seine Richtung drehte.
Den Kopf lässig gegen die Hand auf der Sofalehne gestützt, die andere Hand mit dem Weinglas erhoben, schaute sie ihm nun direkt in die Augen.
Schnell und gewandt war ihre Bewegung gewesen und ebenso schnell war seinem Empfinden nach die Temperatur des Raumes gesunken – trotz des lodernden Feuers im Kamin.
Der Widerschein des Kaminfeuers verlieh dem Rotwein in ihrem Glas einen samtig-warmen Schimmer, der nun im krassen Gegensatz zu ihrer sonstigen Erscheinung stand.

Er hätte nichts sagen sollen. 
Seit Tagen hatte er sich vor diesem Moment gefürchtet, hatte sich Worte zurechtgelegt, sie wieder verworfen, hatte nach dem richtigen Moment gesucht – und ihn offenbar nicht gefunden.
Er betrachtet verstört das Bild, das sich ihm bot.
Neben dem warm schimmernden Rotwein glitzerte ihr elegantes Seidenkleid wie abertausende Eiskristalle – und wie ihre Augen, in denen er ein kaltes und abweisendes Funkeln erkennen konnte. Die Flammen hinter ihrem Rücken ließen ihr Haar wie silbernes Mondlicht glänzen.
Ein Satz, nur ein einziger Satz, hatte seine warmherzige, liebevolle Prinzessin in eine frostig schillernde, unnahbare Eiskönigin verwandelt. 

Er hätte nichts sagen sollen.
Seit Tagen hatte er sich ihre Reaktion ausgemalt, manchmal optimistisch, doch meistens voller Zweifel und Angst.
Er zitterte vor der Kälte, die er wahrzunehmen glaubte – hätte er doch bloß nichts gesagt.
Er hatte es geahnt – und nun waren all seine Befürchtungen wahr geworden.
Er sah vor sich, was er befürchtet und erwartet hatte.
Abweisend und eiskalt war ihre Reaktion, dieses Bild hatte er sich immer wieder ausgemalt, damit hatte er gerechnet – und doch hatte er dieses Gespräch herbeigeführt, hatte darüber sprechen müssen, statt alles so zu lassen, wie es war.

Er hätte nichts sagen sollen.
Als er sich mühsam erhob, um das Kaminfeuer gegen die sich in ihm ausbreitende Kälte stärker anzufachen, sah er plötzlich ein sanftes Lächeln, das um ihre Mundwinkel spielte.
Das musste eine optische Täuschung sein – Eisköniginnen lächelten nie.
„Wie bitte??!“
Sie fragte noch einmal, während sie sich langsam wieder in seine Richtung drehte.

„Ja, ich will!“, antwortete sie dann sanft und er betrachtet überrascht das Bild, das sich ihm bot. 
Wo hatte er vorher nur seine Augen gehabt?
Von wegen Eiskönigin – er konnte kein kaltes Glitzern mehr sehen und keinen eisigen Frost mehr fühlen.
Dem Feuer zugewandt, lächelte ihn seine Prinzessin warmherzig an.
Die Flammen malten sonnige Strahlen in ihr Haar und rosige Lichter auf ihre Wangen. Und während das funkensprühende Kaminfeuer vielversprechend knisterte und ihre Augen vielversprechend schimmerten, schmolzen seine Ängste wie Eis und Schnee in der Frühlingssonne und es wurde ihm mit einem Mal ganz warm ums Herz.

 

jimmy

 

Das Motiv ist als Kunstdruck im Shop erhältlich.

 

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