Der Druck der Selbstoptimierung: Warum weniger manchmal mehr ist

Der Druck der Selbstoptimierung: Warum weniger manchmal mehr ist

Als Künstlerin stehe ich, wie viele Selbständige, oft vor einem Berg von Aufgaben. Es gibt viele Pflichtaufgaben und auch unzählige Möglichkeiten, die realisiert werden können. Oft habe ich das Gefühl, von der Menge der Aufgaben erdrückt zu werden.

Menschen stellen sich das Künstlerleben oft romantisiert vor. Aber auch wenn die Aufgaben oft viel Spaß bereiten und Lebenserfüllung bringen, muss – wie in allen anderen Berufen auch – der wirtschaftliche Teil funktionieren. Büroaufgaben müssen erledigt werden, man muss in Social Media gut sichtbar sein, Marketing betreiben, Steuern verwalten und so weiter.

Und schließlich will man sich als Künstler weiterentwickeln. Viele Fähigkeiten müssen gelernt und ausgebaut werden. Dies treibt uns oft in die Selbstoptimierungsfalle.

 

 

Der Druck der Selbstoptimierung

Wer aufmerksam durch die Welt geht, dem wird in den letzten Jahren aufgefallen sein, dass es anscheinend viel Verbesserungsbedarf gibt in so ziemlich allen Bereichen unseres Lebens. Genauer gesagt: Optimierungsbedarf. Von der Produktivität bei der Arbeit, über das Aussehen bis zur eigenen Lebenseinstellung – alles kann und, so scheint es manchmal, sogar optimiert werden.

Es ist eigentlich ein schöner Gedanke, dass man jederzeit an sich arbeiten kann und darf. Man ist ja nicht irgendwann plötzlich fertig mit seiner Entwicklung, sondern lernt ständig Neues, ob bewusst oder unbewusst. Mittlerweile ist aus diesem schönen, kleinen Gedanken aber eine ganze Industrie entstanden, die enorm von diesem Bedürfnis, alles um sich herum noch ein kleines Stückchen besser zu machen, profitiert.

 



Kreislauf der Selbstoptimierung vs. Lebensfreude

Die Annahme, dass wir alle gesünder, leistungsfähiger und allgemein bessere Menschen wären, wenn wir immerzu an den richtigen Rädchen drehen, ist verlockend. Aber oft bleiben wir in einem Kreislauf von Gedanken, dass mit uns etwas nicht stimmt. Und dass wir diesen Zustand schleunigst ausbessern sollen.

Natürlich kannst und solltest du an dir selbst arbeiten. Aber immer in einem gesunden Rahmen. Denn die Vorschläge, woran wir arbeiten sollen, nehmen langsam absurde Züge an. Persönlichkeitsentwicklungskurse, Durchplanung des gesamten Tagesablaufs, dann noch – schöner, gesünder, effektiver, interessanter.

 

 

Der Kreislauf der Unzufriedenheit

Der Wunsch und die gesellschaftliche Forderung nach ständiger Verbesserung führen oft dazu, dass wir uns immer höheren Idealen anpassen müssen. Um mehr Bestätigung von außen zu bekommen, lassen wir nichts unversucht, um sich immer mehr Idealen (schlank, gesund, intelligent, ausgeglichen) anzupassen. Kaum haben wir eines dieser Ziele erreicht, gibt es eine andere Stelle, die dringend optimiert werden muss.

Wann ist die Dauerbaustelle, die man mit diesem "Mindset", wie Selbstoptimierungs-Influencer es gerne nennen, aus sich macht, denn beendet? Offensichtlich nie – und die Frustration und Selbstzweifel, die sich daraus ergeben, lassen jede Freude, die man verspürt, weil man jetzt endlich "die beste Version" von sich ist, ganz schnell wieder verpuffen.

 

 

 

Was mir immer wieder hilft 

Was mir immer wieder hilft, wenn ich das Gefühl habe, dass ich in der Selbstoptimierungsfalle gerate, ist der Gedanke, dass wir immer auf dem Gipfel unserer Fähigkeiten und Möglichkeiten stehen. Ich bin immer die beste Version von mir selbst, die heute nur möglich ist. Ich muss mich mit niemandem vergleichen, denn die Erfahrungen und Möglichkeiten eines anderen Menschen sind völlig anders.

Es ist wichtig, sich zu erlauben, unperfekt zu sein. Die Perfektion im Unperfekten zu finden, ist für mich eine hohe Kunst. Ein nicht gelungenes Bild als wertvolle Erfahrung zu nehmen und Zuversicht zu entwickeln, dass sich alles nach dem Besten richten wird. Sich zugestehen, dass manche Dinge momentan nicht besser laufen können. Und es ist in Ordnung, dass es so ist.

Wenn alles sich schneller dreht, ruhig mehr Zeit nehmen und alles etwas langsamer angehen. Sich gerade dann eine Pause gönnen, wenn eigentlich keine Zeit da ist. Dankbar zu sein für das, was gut gelingt. Sich bewusst zu werden, wie viele Sachen wunderbar laufen, egal wie hektisch oder anstrengend manche Zeiten sein mögen.

Auch wenn man sehr gewissenhaft viele Sachen erfüllen will, läuft ab und zu etwas nicht optimal, es passieren Fehler, denn es ist menschlich. Wichtig ist nur, wie man mit Fehlern umgeht und was man daraus für die Zukunft lernt.

Liebevollen Blick auf sich selbst zu entwickeln, sich nicht wie eine Maschine zu behandeln, sondern auch die Bedürfnisse der Seele zu erkennen und immer feinere Wahrnehmung in diese Richtung zu entwickeln. Das heißt auch, eigene Grenzen zu erkennen und sich nicht zu überfordern.

Kleine Schritte sind besser, so gerät man weniger in Stress. Kleine, kontinuierliche Verbesserungen sind besser, denn auch in der Natur gibt es keine schlagartigen Veränderungen. Langsam und stetig entfaltet sich das Leben. Auch unsere Weiterentwicklung ist nicht nur möglich, sondern unausweichlich. Aber genau wie der gesäte Korn seine Zeit braucht, brauchen unsere Fähigkeiten auch eine gewisse Zeit, um sich zu entwickeln.

 

 

Dein Weg zur Balance


Erlaube dir, unperfekt zu sein. Finde die Perfektion im Unperfekten. Nimm dir Zeit für Pausen und sei dankbar für das, was du bereits erreicht hast. Akzeptiere, dass Fehler menschlich sind und lerne daraus für die Zukunft. Setze dir kleine, erreichbare Ziele und feiere jeden kleinen Fortschritt.

Selbstliebe bedeutet, sich so anzunehmen, wie man ist, und gleichzeitig offen für Wachstum zu bleiben – aber auf eine Weise, die dich nicht überfordert. Lass uns diesen Weg gemeinsam gehen und die Balance zwischen Selbstoptimierung und Lebensfreude finden.

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