Der Boden bewegte sich spürbar unter meinen Füßen, während ich auf der Bühne weiter malte. Vor mir saßen die Gäste. Nebenbei lief das Künstlergespräch. Hinter mir wurde jeder Pinselstrich auf die große Leinwand übertragen.
Zunächst versuchte ich, möglichst präzise zu arbeiten. Doch das Schiff schaukelte stärker als erwartet. Irgendwann hörte ich auf, gegen die Bewegung anzukämpfen. Ich nahm sie an und ließ sie in meine Linien einfließen.
Dieser Moment beschreibt vieles von dem, was Künstlerreisen mit AIDA für mich bedeuten: Konzentration und Öffentlichkeit. Planung und Improvisation. Begegnung und Rückzug. Ein Atelier, das keinen festen Ort hat.
Seit über 15 Jahren bin ich als Künstlerin mit meinen Werken in den AIDA Kunstgalerien vertreten. Auf verschiedenen Künstlerreisen habe ich meine Frauenbilder und später auch meine floralen Werke präsentiert, live vor Publikum gemalt und in Bühneninterviews über meine Kunst gesprochen.
Dabei ging es nie nur um fertige Bilder.
Es ging um die Frage, wie Kunst entsteht. Warum ich Frauen male. Welche Bedeutung Schönheit für mich hat. Wie Reisen den eigenen Blick verändern. Und weshalb Menschen in einem Kunstwerk manchmal etwas erkennen, das ich selbst beim Malen nicht bewusst geplant hatte.
Auf hoher See wird Kunst anders erlebt als in einer klassischen Galerie. Gäste begegnen ihr mitten im Alltag der Reise. Beim Vorübergehen. Nach einem Ausflug. Während eines Künstlergesprächs. Oder in einem stillen Moment, in dem ein bestimmtes Bild plötzlich etwas Persönliches auslöst.
Auch für mich hinterlassen diese Reisen Spuren. Landschaften, Museen, Architektur, Pflanzen, Lichtstimmungen und Gespräche werden Teil eines inneren Archivs. Manches fließt sofort in eine neue Bildidee ein. Anderes bleibt lange verborgen und taucht erst Monate später im Atelier wieder auf.
In diesem Artikel erzähle ich, wie es ist, als Künstlerin auf AIDA zu arbeiten, was Live-Malerei auf einem fahrenden Schiff bedeutet und wie Künstlerreisen meine Bildwelten über viele Jahre geprägt haben.

1. Seit über 15 Jahren als Künstlerin auf AIDA
Meine Zusammenarbeit mit AIDA begann vor mehr als 15 Jahren. Seitdem wurden meine Werke auf verschiedenen Schiffen der Flotte präsentiert. Einige Reisen durfte ich persönlich als Gastkünstlerin begleiten.
Eine solche Künstlerreise ist keine gewöhnliche Ausstellung.
Ich bringe nicht einfach Bilder an einen anderen Ort und reise wieder ab. Während der Reise bin ich selbst Teil des Programms. Ich spreche auf der Bühne über meine Arbeit, male live vor Publikum, signiere Kataloge und komme mit Gästen direkt ins Gespräch.
Diese Nähe verändert die Wahrnehmung meiner Kunst.
In einer Galerie sehen Besucher meist das fertige Werk. Sie wissen nicht, welche Entscheidungen dahinterstehen. Welche Linien verworfen wurden. Wie viele Farbschichten entstanden sind. Oder warum ein bestimmtes Motiv mich über Jahre begleitet.
Auf einer Künstlerreise werden diese unsichtbaren Teile plötzlich sichtbar.
Gäste fragen nach meiner Technik, nach meinen Modellen und nach der Bedeutung einzelner Symbole. Sie möchten wissen, warum ich überwiegend Frauen darstelle und weshalb manche Figuren ruhig und elegant wirken, während andere von Bewegung und starken Farben geprägt sind.
Auch die persönliche Geschichte hinter meiner Kunst interessiert viele Menschen.
Die Frau ist für mich nicht nur ein schönes Motiv. Sie ist ein Symbol für die Seele. Für innere Stärke, Verletzlichkeit, Sinnlichkeit und die Freiheit, sichtbar zu werden.
Über diese Themen zu sprechen, fällt mir heute leichter als zu Beginn meiner Zusammenarbeit mit AIDA. Früher wollte ich vor allem, dass die Bilder für sich selbst sprechen. Das möchte ich noch immer. Doch ich habe gelernt, dass ein persönlicher Einblick die Wirkung eines Werkes vertiefen kann.
Nicht, weil ich dem Betrachter eine feste Interpretation vorgebe.
Sondern weil ich einen Zugang öffne.
Über die Jahre hat sich auch meine Rolle an Bord verändert. Zu meinen Frauenbildern kamen neue Werkreihen hinzu. Der Flowismus entwickelte sich weiter. Der Feminine Glamourism wurde klarer. Inzwischen gehören auch meine floralen Werke zu meiner künstlerischen Welt.
Gleichzeitig blieb etwas gleich: die unmittelbare Begegnung.
Manchmal beginnt ein Gespräch mit einer technischen Frage und endet bei einer sehr persönlichen Erinnerung. Manchmal steht ein Gast lange vor einem Bild und sagt nur einen einzigen Satz.
Gerade diese kleinen Momente bleiben oft besonders lange.

3. Live-Malerei zwischen Kontrolle und Flow
Live-Malerei ist eine besondere Form des Arbeitens.
Im Atelier darf ein Bild unfertig, widersprüchlich oder sogar misslungen aussehen. Niemand beobachtet die Zwischenphasen. Ich kann eine Fläche überarbeiten, eine Linie wieder entfernen oder das Werk mehrere Tage einfach nur ansehen.
Auf der Bühne gibt es diesen Schutz nicht.
Die Gäste sehen, wie ein Bild entsteht. Oft wird der Malprozess zusätzlich auf eine große Leinwand übertragen. Jeder Pinselstrich wird sichtbar. Jede Entscheidung geschieht im Moment.
Das erzeugt Spannung.
Nicht nur beim Publikum. Auch bei mir.
Während einer Künstlerreise durch Nordeuropa war der Wellengang deutlich stärker als erwartet. Ich stand vor der Staffelei und versuchte zunächst, so zu malen wie im Atelier.
Doch der Boden bewegte sich unter meinen Füßen.
Eine ruhige, kontrollierte Linie wurde plötzlich schwieriger. Mein erster Impuls war, die Bewegung auszugleichen. Ich wollte dagegenarbeiten.
Irgendwann merkte ich, dass genau das nicht funktionierte.
Also ließ ich los.
Ich nahm den Rhythmus des Schiffes an und bezog ihn in meine Bewegung ein. Der Pinsel folgte nicht mehr nur meiner Hand, sondern auch dem leichten Schwanken unter meinen Füßen.
Diese Erfahrung war fast sinnbildlich für meinen Flowismus.
Flow bedeutet für mich nicht, dass alles leicht und mühelos geschieht. Es bedeutet auch nicht, die Kontrolle vollständig aufzugeben. Es ist eher ein Zustand, in dem Konzentration, Erfahrung und Bewegung zusammenfinden.
Man ist aufmerksam, aber nicht verkrampft.
Man entscheidet, ohne jeden Schritt vorher erklären zu müssen.
Bei einem anderen Bühnenauftritt war ich so tief in den Malprozess versunken, dass ich eine Frage des Moderators zunächst kaum wahrnahm. Das Publikum bemerkte diesen Moment. Später erzählten mir einige Gäste, wie berührend es gewesen sei, einem Menschen dabei zuzusehen, wie er ganz in seiner Arbeit verschwindet.
Für mich selbst fühlte es sich weniger spektakulär an.
Ich war einfach im Bild.
Gerade darin liegt vielleicht die besondere Wirkung von Live-Malerei. Die Gäste sehen nicht nur eine Technik. Sie erleben Konzentration, Unsicherheit, Korrektur und spontane Entscheidung.
Ein fertiges Kunstwerk kann sehr geschlossen wirken. Fast selbstverständlich.
Beim Entstehen zeigt sich, dass es aus vielen kleinen Entscheidungen besteht.
Welche Farbe bekommt mehr Raum?
Wo braucht das Bild Ruhe?
Welche Linie trägt die Komposition?
Und wann ist der Moment gekommen, nicht weiterzumalen?
Live-Malerei macht diesen Prozess sichtbar. Sie zeigt auch, dass künstlerische Arbeit nicht aus einem plötzlichen Einfall allein entsteht. Sie beruht auf jahrelanger Erfahrung, handwerklicher Sicherheit und der Bereitschaft, auf Unvorhergesehenes zu reagieren.
Auf einem fahrenden Schiff wird genau das besonders deutlich.
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