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Stuttgarter Zeitung - "Musenkuss im Großstadttrubel"

Stuttgarter Zeitung -

Wenn das original alles überstrahlt: Die Soulsängerin Cassandra Steen glänzt als moderne Muse beim Fotoshooting mit der Malerin Ekaterina Moré in der Galerie Schill

Eine schöne Vorstellung: die Musen tragen die Ideen von den Göttern zu den Menschen. Kein Kunstwerk ohne den Seegen von oben, eingeflößt von kraftvollen Frauen. Die Künstlerin Ekaterina Moré will den antiken Gedanken der Inspiration in zeitgemäße Bilder umsetzen. Sie hat sich für ihre Musen prominente Frauen ausgesucht, die sie fotografiert hat und jetzt malen will.

Die Boxerin Regina Halmich stellt die Melpomene dar, die Muse der Tragödie. Die Schauspielerin Tina Ruland verkörpert die Terpsichore, die Inspiration für Chorlyrik und Tanz, ihre Kollegin Valerie Niehaus die Euterpe, die für Lyrik und Flötenspiel steht, Xenia Seeberg die Erato, die die Liebesdichtungen befruchtet. Annabelle Mandeng und Tanja Bülter stehen für die Klio, die Muse der Geschichtsschreibung, und für die Urania, die Beförderin der Astronomie. Die Modedesignerin Sonja Kiefer ist Thalia, die Schutzgöttin der Komödie und Jenny Jürgens verkörpert Kalliope, die epische Dichtung, Rhetorik, Philosophie und Wissenschaft inspiriert. Cassandra Steen, die Sängerin aus Stuttgart (Freundeskreis, Glashaus, solo), ist die Polyhymnia, die Hynmenreiche, und damit die Muse des gesangs und der Leier. "ihre Stimme inspiriert mich unheimlich", sagt Ekaterina Moré. Die meisten Frauen, die sie im Kopf hatte, hätten zugesagt, erzählt die Künstlerin, die aus St. Petersburg stammt und seit Jahren bei Düsseldorf lebt.

Cassandra Steen wurde diese Woche als letzte im göttlichen Reigen fotografiert. Studio auf zeit war die Galerie Schill in der Eberhardstraße. Dort, wo früher der trendbewusste junge Mann seine Hosen kaufte, nämlich beim Ted, wurde ein Triumpf der Weiblichkeit gefeiert. Mitten im geschäftigen Trubel der City herrschte im ersten Stock eine fast andächtige Stille. Die groß gewachsene Sängerin saß in der cremefarbigen Tunika vor der schwarzen Wand, auf dem Schoß ein Strauß langstielige weiße Rosen, der Mund knallrot geschminkt.

Das fertige Gemälde kann man sich unschwer vorstellen. Wie es dann tatsächlich aussehen wird zeigt sich im Herbst. Die neun Porträts sollen von Oktober an auf Reise durch jene Galerien gehen, in denen die Fotos entstanden sind, den Anfang macht Berlin. Der Erlös aus dem Verkauf der Bilder, er dürfte bei 35000 Euro liegen wird an Kinderstiftungen gehen.

In Stuttgart stärkten sich die Frauen und ihre Begleiter nach dem Shooting mit Bretzeln aus dem Heusteigviertel und entdeckten Gemeinsamkeiten. Der Vater von Ekaterina Moré war Marineoffizier, Cassandra Steen wuchs bei ihren Großeltern auf einem Stützpunkt der US-Army in Ostfildern-Ruit auf. Beide sind Familienmenschen. Ekaterina Moré wird bei ihren Projekten von ihrer Schwester begleitet. Cassandra Steen pendelt für ihr Album, das im September erscheint, zwischen Frankfurt, Berlin und Stuttgart: "Ich komme immer wieder hierher zurück, weil hier meine Familie ist."

Nicht zuletzt haben beide eine klare Vorstellung davon, was es heißt, eine starke Frau zu sein. "Viele Frauen versuchen mit männlichen Waffen zu kämpfen", sagt Moré. Dabei sein eine starke Weiblichkeit etwas anderes als maskulines Verhalten, mehr Intuition als Ratio. So zeigen ihre Bilder - sie malt ausschließlich Frauen - Schwestern im Geiste mit rot geschminkten Mündern, verschleierten Blicken aus dunkel umrahmten Augen, großen Händen mit angedeuteten Fingern und eng anliegenden Kleidern mit tiefen Ausschnitten. Diese Frauen sind sexy und selbstbestimmt. Kein Wunder, dass sie nicht nur zerbrechliches Porzellan zieren, sondern auch Bars wie die des Maritim-Hotels in Berlin. Als moderne Musen der Grußstadt.

 

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